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Eure Inspirationen
#1

Ich habe kürzlich jemanden gefragt, ob ersichtlich ist, welche Störung ich mit Roan ausspiele. Die Antwort war nein, aber auch, dass die gemeinte Störung schwer zu spielen und zu erkennen sei, wenngleich ich typische Symptome ausgespielt hätte. Daher entschloss ich mich, euch zumindest outgame aufzuklären.

Da es in diesem Thread ja um Inspiration geht, möchte ich als erstes klären, woher mir die Idee kam. Der Zusammenhang zum Ingame dürfte nicht schwierig herzustellen sein, da ja so viel belastendes geschieht, dass ein Mensch früher oder später krank werden muss, zumindest ist das meine Meinung. Dahinter steckt aber noch mehr. Ich beschäftige mich gerne mit Kriminalgeschichten, wobei ich mich immer sehr darüber freue, was Forensik, Psychologie und saubere Polizeiarbeit leisten können. Zwar glaube ich nicht, dass alles immer so läuft, wie es sollte, aber ich vermute einfach mal, dass sich im Großen und Ganzen die Polizisten sehr stark reinhängen, um die Bevölkerung zu schützen. Was sie leisten, könnte ich nicht aufbringen. Einer der bekannteren Heldinnen ist Kriminalpsychologin Benecke, welcher ich recht gerne zuhöre. Sie hat mich auf die Idee mit der posttraumatischen Belastungsstörung gebracht, es ist auch schließlich das nahe liegenste, wenngleich es leicht zu verwechseln sei mit anderen Störungen. Meistens aber redet sie über Psychopathie und Kindesmissbrauch. Ich nehme mal an, weil es zum einen das ist, was die meisten interessiert und zum anderen, weil es zu den häufigsten Störungen gehören dürfte, auf die sie in ihrem Fachgebiet trifft. 

Die zweite Inspiration habe ich wieder mal aus dem Kriminalmanga Switch, aber warum das da nun geholfen hat, schreibe ich später. Wie fängt eine posttraumatische Belastungsstörung an? Entweder es kommt zu einer unvorhergesehenen schwer zu bewältigenden Lage oder die Person unterschätzt die Belastung und so kommt die Störung schleichend zustande. Unfreiwillig erinnert sie sich immer wieder an diese Erlebnisse und vermeidet sie vielleicht sogar. Hier ein paar Beispiele:

Die Doku, welche ich letztens im Discord mit den Worten "Versuche ich mit Roan auszuspielen" reinsetzte, erzählte unter anderem die Geschichte einer Polizistin, welche kaum noch aktiv ist. Sie hörte das Arbeiten auf und vermied auch manch Anderes, was sie wieder in diese Lage brachte. Dadurch hat sie es nie verarbeiten können und besonders schlimm finde ich, dass sie im Stich gelassen wurde. In ihrem Fall war es wohl so, dass sie die Belastung unterschätzte. Sie hat bestimmt recht damit getan, die Arbeit nicht weiter auszuüben, welche sie so belastete, hätte aber Hilfe gebraucht, um das Erlebte zu verarbeiten.

Mein Mann, ich und meine große Schwester hatten einen Autounfall. Meine Schwester meinte später zu mir, dass ich die Situation gut gehandhabt hätte und sie jederzeit wieder mit mir mitfahren würde. Scheinbar meinte sie das mit dem wieder mitfahren ernst, allerdings machte ich den Fehler, den fast jeder begeht...der Versuch, auszuweichen in einer Schrecksituation. Jedenfalls hatte ich Angst, wenn ich an das Autofahren dachte und mein Mann hatte auch seine Probleme. Wir stiegen in das Auto und fuhren durch die Stadt. Einige Zeit später kam dann eine Autobahn dran. Es hatte sich gar nicht erst richtig zu einer PTBS ausprägen können, da wir die Angst dabei verarbeitet haben. Und da mein Mann bei mir war, fühlte ich mich auch viel sicherer, so verhält es sich mit vielen meiner Herausforderungen. Gedankliches Hände halten.

Die gestrige Situation hat mir gezeigt, wie gut es war, mir keine Obduktion anzuschauen. Es ist nicht echt und deswegen wird es mir schon nicht so an die Nieren gehen? War da nicht dieses Schwein und da ging es auch? Fehleinschätzung: Es wurde mir in den Gedanken zu echt, was sicherlich durch eine detaillierte Umschreibung wesentlich schneller geht. Gut, dass Roan doch kein Forensiker geworden ist, so sehr ich auch die Arbeit der Kriminalisten schätze. Wird daraus gleich eine PTBS? Eher nicht, aber der Punkt in diesem Erlebnis war, dass ich nicht die Reißleine gezogen habe, was ich hätte tun sollen. Es ist ein klassisches Beispiel für das Unterschätzen einer Belastung.

Mehr fallen mir gerade leider nicht ein und zwei davon waren noch nicht einmal eine Belastungsstörung, haben aber durchaus gezeigt, wie sowas anfangen kann. Vielleicht setze ich noch etwas herein, wenn mir was einfällt.

Was sind Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung?
Unwillkürliches Erinnern und Vermeidungshaltung hatten wir ja schon, genauso wie Angst, was gerne mal bis zur Paranoia reicht. Nervosität und Zittern der Hände sind beispielsweise ein äußerlich deutlicher Hinweis auf das Symptom, wie auch Reizbarkeit. Dann gibt es noch etwas, was wir gerne als ein Abstumpfen wahrnehmen. Woanders habe ich mal Verflachung der Gefühle als Umschreibung gelesen.

Wie hat es sich bei Roan geäußert? Er hatte ganz zu Anfang, als ich wieder zu spielen anfing, bereits die Vermeidungshaltung und entschuldigte sich damit, dass sie ja zusammen ja schon viel erreicht hatten, was aber auf negative Reaktion traf, dass rein gar nichts, sich gebessert hätte und dass weiter gekämpft werden müsse. Mit Sätzen wie diesen oder auch mit einem "Wir brauchen dich dringend", treibt man Roan weiter an. Er verwehrt sich fast nie und möchte niemanden im Stich lassen. Das führt dazu, dass er sich auch selber zwingt, weiter zu machen, denn eigentlich haben diese Stimmen alle recht. Wer mächtens ist, sollte helfen, denn wenn nicht sie, wer dann bei solchen Katastrophen? Bei einer PTBS tauchen die Symptome bei einem Schlüsselreiz oder erhötem Druck auf. Weil es aber sein kann, dass jemand völlig Handlungsunfähig wird in einer solchen Situation, habe ich mir für Roan überlegt, dass er das verflachen der Gefühle bis zur Kälte hin dann ausprägt, wenn es schlimmer wird. Das war die Idee aus Switch. Kai Kanaki hat dort allerdings eine Multiple Persönlichkeitsstörung aufgrund des Traumas entwickelt, was bei Roan nicht so ist. Das Switchen ist aber trotzdem bei beiden eine Art Schutzmechanismus, welcher sie noch handlungsfähig hält, wobei ich mir da nicht ganz sicher bin, wieviel Antrieb eine Person aufbringen kann, wenn die Emotionen ganz so stark unterdrückt werden. Also anstelle des Wechselns in eine andere Persönlichkeit, findet bei Roan der Wechsel in ein anderes Symptom statt.
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