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Stadtbummel
#1

Sich klein machend, möglichst unauffällig durchschritt Joséphine, ein unbekanntes Gesicht, die Stadttore von Valgard. Ein Bauernmädchen, könnte man auf dem ersten Blick meinen, vielleicht eine simple Arbeiterin, auf der Suche nach Anstellung.
Nachdem sie sich bei Eyrik einquartiert und etwas den Schmutz der Reise von den Stiefeln geklopft hatte, schlang sie ihre Büchertasche über die Schulter und machte sich auf, um die Stadt zu erkunden, ein Gefühl für die neue Umgebung zu bekommen.

Sie lief die Straßen der Stadt ab, alles was ihr als Außenstehende frei zugänglich war. Ihr Augenmerk lag vornehmlich darauf die Händler der Stadt zu begutachten, die Hauptumschlagplätze zu finden, zu schauen was für Waren im Umlauf waren. Die Blockade durch die Piraten hatte bestimmt allem einen Dämpfer verpasst, aber Gold floß immer.

Es floß auch zwischen den Ritzen der Gesellschaft, deswegen suchte sie gleichzeitig nach Anzeichen für die etwas zwielichtigeren Geschäfte. Zinken an den Häuserwänden, Handzeichen zwischen Händler und Kunde, Leute die in Hinterzimmer durchgewunken wurden. Sie schaute nach einer Eintrittskarte zu der Schattenseite jeder Stadt.

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#2

Valgard war merklich in einer angespannten Lage. Güterverkehr war durch die Piraten erlahmt – es gab durchaus einige Händler, die zwischen den Siedlungen pendelten und da überall ihren Handel trieben, so dass man einfache Rohstoffe auch da erwerben konnte. Aber es war ein merklicher Dämpfer für die meisten Bauprojekte insbesondere gewesen.
Was man in Valgard gut bekam waren Edelsteine und Geschmeide, die aus den alten Anlagen Hohenbrunns gefördert wurden. Man mochte streiten, ob es elfische, zwergische, gnomische Künste erreichte, aber es gab talentierte Handwerksmeister in Valgard, das stand außer Zweifel. Auch die Felder boten eine Fülle an verschiedenen Früchten, Gemüsen. Daran hungerte man nicht.

Was derzeit am meisten Umsatz machte war Holz – auch wenn man hörte, dass ein junges Wäldchen fast über Nacht entstanden sei, wo hoffentlich bald schon der Notstand an Bedarf gesättigt werden mochte. Angefangen bei Bauarbeiten über einfaches Feuerholz bis hin zu Schiffen und Ausrüstung. Noch war Holz ein sehr teures Gut in Valgard, aber das würde sich bald wohl ändern und wieder normale Maße annehmen.
Seltsamerweise war auch in letzter Zeit Fisch zu rarem Gut geworden. Fischer standen am Existenzminimum, Unzufriedenheit war spürbar, wenn man sich abseits der Gardisten umhörte. Ein weites Stück abseits.

Was den feinen Diebsjargon anging, war der bekanntlich überall etwas anders. An der Schwertküste anders als an der Sternensee und unter Zhentarim anders als unter Westtorern und so weiter.
Wer aber auf die eine oder andere Art eingewiesen worden war, kannte zumindest die nötigen Anzeichen, wenn auch vielleicht noch ein Gespür für den genauen Inhalt fehlte.

Eine kleine Kaschemme, die mehr als Zeltplatz unten am Hafen, am Fuße des Herzoghügels, beherbergte den guten Pepe. Wenn man sich auf ein Bierchen dorthin setzte, um zwischen verschwitzten Fischern, die über die entfleuchten Fischschwärme fluchten, den Abend ausklingen zu lassen, konnte man ab und wann mal etwas kräftigeres Söldner (?) Volk beim Pepe aufschlagen sehen. Unauffällig wurden dabei ein paar mehr Münzen als üblich mal gewechselt.

In der Dock-Region gab es auch einige Markierungen an bestimmten Hintergassen, wo mehrere leicht bekleidete Damen der Nacht sich herumtrieben. Ohne auffällige Aufpasser, als gehörte das Viertel ihnen oder jemandem, dem sie zugehörten.

Und dann gab es natürlich ein Hinterzimmer, wo es keinerlei System augenscheinlich gab, wer dort eingeladen war und wer nicht, wenn man sich abends bei Eyrik dann im Schankraum etwas Berieseln ließ von Tropfen und Lautenspiel.
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#3

Kräftige Söldner waren nicht ganz die gesuchte Berufsgruppe, aber Pepe wirkte wie jemand, der wußte wer in der Stadt wer ist.

Jo setzte sich ans Ende einer freien Bank, ein Buch als Abwehrschirm gegen verschwitzte Fischer und raue Söldner. Ein Bier später winkte sie Pepe unauffällig ran und reichte ihm den leeren Krug mit großzügigem Trinkgeld am Boden.
"Ähm... angenommen... ich würde... äh... hier fischen wollen" - Ein subtiles Kratzen an der Nase. - "Wer hat die Fischereiaufsicht?" - Ein abwesendes Reiben am Ohrläppchen - "und.. eh... wo ist der beste Fischstand?"
Sprich, eine wilde Taschen-"Fischerin" sucht die Leute, mit denen man sich gut stellen muss und die Hehlerstuben.

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#4

Pepe, verschwitzt wie sein Klientel mit fleckiger Schürze, schlenderte heran und strich mit einem beiläufigen Blick umher die Münzen ein.
Ein etwas schiefer Blick galt da dem Buch.

Moin auch, Bücherwurm, nech?

Mit einem schmuddeligen Tuch begann er den leeren Krug auszuwischen. Auf die subtileren Gesten hin wirkte er geschärft mit dem Blick, auch wenn sich die Art sicher da und dort etwas unterschied. Die Feinheiten, die man wie jeden Jargon einfach mit der Zeit aufgriff, sofern man aufgeweckt war.

Fischen, hrm? 's kommt drauf an, wonach dir denn der Sinn steht, Herzchen, nech? Fischgründe sin' hier hart umkämpft, wie du vielleicht schon mitbekommen hast.

Ein beiläufiger Deut hinüber gen der verwaisten Fischerboote.

Makrelen zum Beispiel, hrm? Will man gar nich' glauben, dass sich selbst die dickste Elster die ins Nest holt. Die nistet 'n Stückchen vor der Stadt an 'nem Fischerkahn, wenn du lieber kein Auge verlieren willst beim Fangen.

Dorsch angelt man annen Docks, aber dir fehlt dafür vielleicht 'n bissel der rechte Köder, Mädel.
mit Blick auf ihre Oberweite. Fachmännisch prüfend natürlich.

Willste Goldfische innen Netzen zappeln sehen, solltest am besten mal beim Eyrik schau'n, wo der seine lüftet. Eintritt kostet aber. Sin' ja auch schöne Fische, nech?

Wenn du deinen Fang loswerden willst, müsstest schon zum alten Grottenolm vorbeischauen, aber da besser im Windschatten von 'ner Fischaufsicht.
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#5

"Merci..." Sie überlegte einen Moment. In die Reihen der Freudenmädchen wollte sie sich wirklich nicht gesellen und um sich irgendwo einzukaufen, war ihr Goldbeutel noch zu schmal.
"Ähm... wie könnte ich die Elster sehen, ohne dass sie wegflattert? ... oder mir ein Auge auspickt?"

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#6

Pepe stellte den schmutzig gewischten Krug wieder vor ihre Nase. Die stille Aufforderung war klar. Dabei streckte er sich einmal durch und bohrte mit einem Finger in seinem schmalzigen Ohr.
Sobald eine Spende an die Bedürftigen unauffällig da drapiert sein mochte, stricht er die auch wieder ein.

Interessierte Fischer kann ich gerne vermitteln. Komm am xxten zur ersten Nachtstunde dort vorbei. Und bring eine schillernde Silberforelle mindestens mit.
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#7

Sie gab zu verstehen, dass sie dort sein würde, packte ihre Sachen und machte sich auf den Weg, um in der Zwischenzeit ein paar Silberforellen zu fischen.

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#8

Über Tage:

Eine Hafenstadt, die keine Fischerei betreiben konnte. Das war schlecht für die Wirtschaft. Leere Mägen und leere Taschen sorgten für leere Kassen.
Joséphine versuchte sich dort, wo die Fischer sich sammelten und grummelten - vermutlich wieder beim Zeltplatz von Pepe - etwas umzuhören. Sie gab sich mitfühlend, mit dem Ärger über leere Netze und versuchte sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.
Seit wann waren die Fischbestände zurückgegangen? War es plötzlich oder eine langsamere Entwicklung? Konnte man den Bereich eingrenzen? Passierte sonst irgendwas auffälliges auf See?

Sie hatte mit dem Maritimen nichts am Hut und wusste noch nicht, was sie mit den Informationen überhaupt anfangen wollte, aber vielleicht kam ihr noch eine Eingebung,

Unter Tage:

Joséphine streifte erkundend durch die Unterstadt, eingehüllt in eine braune, formlose Robe mit Kapuze. Einzig einen Gürtel mit festgestickter, schwarzer Feder trug sie als Zierde. Ihre Büchertasche hatte sie in ihrem Zimmer gelassen, nicht dass jemand dadurch in Versuchung gebracht wurde. Sie hatte nur das dabei, was sie bequem unter der Robe verstecken konnte.

Sie bummelte nicht ziellos, sie schaute vor allem nach Händlern, die Bücher anboten - oder nach Leuten, die der Nekromantie zugewandt schienen. Sie war auf der Suche nach einem Buch über Velsharoon, je tiefgründiger, komplexer, desto besser.

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#9

Die Fischer sammelten sich in verschiedenen Schenken und Kaschemmen. Manche hockten auch arbeitslos einfach auf der Straße, wo weniger Gardisten sie verprügelten.
Natürlich geschah das eher in Hintergassen, aber es gab die subtilen Anzeichen, wenn man schonmal Konflikte mit dem Gesetz gehabt hatte und wusste, wie das aussehen konnte.
Bei Pepe sammelten sich so auch genügend trostlose Seelen.
Josephine bekam genügend aus ihnen heraus, solange sie spendierte. Mitgefühl war hier etwas ruppiger, aber nicht weniger ehrlich. Man musste die Sprache des Volkes sprechen.
Es dauerte also ein paar Freirunden bis sie erfuhr, wonach sie suchte.
Die Fischstände? Ach, das war jetzt fast sechs Zehntage schon her. Unzumutbare Zustände. Und plötzlich! Praktisch über Nacht. Das war kein natürlicher Fischzug. Neue Räuber hatte man auch keine gefunden, die das erklärten. Man betete zu Umberlee und opferte ihren Priesterinnen, aber ihre wankelmütige Gunst kehrte nicht zurück.
Es betraf eigentlich das gesamte Küsten- und Buchtgebiet um Valgard. Wenn man viel weiter ausfuhr, fand man wieder normale Bestände. Aber da war man in gefährlicher Nähe zu anderen Städten oder schlimmer: Piraten. Gefundenes Fressen.
Es gab ab und wann jemanden in der Runde, der den Übeltäter auch benannt wusste.
Druiden.
Es war kein Geheimnis, dass sie ihre Ernten sabotierten, ihre Holzfäller abschlachteten, … praktisch offener Krieg. Wann immer so jemand in der Runde war, wallten die Gemüter mehr auf. Man war praktisch bereit, die Mistgabeln zu zücken und die Fackeln zu entfachen, um die elendigen Baumkuschler aus dem Wald zu treiben.

Die Unterstadt war ein bizarres Erlebnis für die junge Diebin. Hier liefen offen Dinger herum, die nur Monster sein konnten. Mehr oder weniger friedlich … aber es gab in Gassen auch Kämpfe, Tode. Neue Leichen für die herum gekarrten Leichenwagen. Es gab quasi einen unerschöpflichen Vorrat!
Es gab eine sich verschiebende Gasse – die Cormyri war sicher schon dreimal dort vorbeigelaufen, ohne dass etwas da gewesen wäre, nur um plötzlich genau am selben Fleck eine lange, gewundene Gasse vorzufinden, wo Bücher verschiedenster Art feilgeboten wurden. Einige alt, verstaubt – praktisch nur noch Staub in einem Einband. Andere nass und verwässert. Andere so neu, als wären sie aus einer teuren Druckerpresse erst hervorgesprungen. Und einige der nekromantischen Natur natürlich für gutes Maß in der Haut einiger Humanoide. Ein paar davon waren weich wie ein Babypopo.
Unter all den bunten Ständen, wo man sich anschrie, versuchte Kunden abzugreifen (mal auch wortwörtlich mit langen Armen, als ein zweibeiniger Achtarm nach Kunden griff, um seine neue Tintenkollektion zu zeigen), dort gab es einen etwas unscheinbareren Stand, wo es Knocheneinbände gab, aus Ghulhaut genähte Buchrücken, Fingerknöchel-Griffel. Dort hockte ein etwas schief gewickelter (und ebenso schief stehender, als wäre die Wirbelsäule irgendwie verdreht) … Mensch? Ein untersetzter, fast zwergisch. Genauer hingesehen, wirkte es eher, als wäre er aus verschiedenen Leuten zusammengeflickt. Und als es das Wort ergriff, bewegten sich die Kiefer immer etwas versetzt, als würden sie wie bei einer Puppe bewegt. Grotesk waren die Bewegungen und erinnerten wahrlich an eine Puppe, die von jemandem ohne Hand-Augen-Koordination dirigiert wurde.
Velsharoon? ertönte die quickige Stimme.
Ja, ja, da habe ich etwas!
Ungelenk wischte das Ding einige Bücher mit einer Bewegung vom Tisch hinter den Tresen, warf Tintenfässchen um und griffelte umständlich mit klammen Fingern ein staubiges Buch aus seinem Bestand. Angelaufenes Silber krönte den Einband in Form eines Hexagons.
Die vollständige Geschichte vom Fürsten der Verlassenen Gruft. Limitierte Sonderedition, signiert von ihrer Knochigkeit selbst. Nur solange der Vorrat reicht. – lautete der Titel mit Untertiteln und darunter ging es verschmiert offenbar noch weiter. Etwas violetter Sand rieselte zwischen den Seiten hervor.
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#10

Jo hörte zu und sah sich aus nervöser Angewohnheit immer mal wieder um. ((Entdecken: W3 + 16 = 19))
Sie versuchte sich ein Bild zu machen. Die gesamte Bucht und Küste um Valgard, wie ein Radius um die Stadt? Wenn kein Räuber die Tiere verscheuchte, war es vielleicht ein Einfluß aus der Stadt? Ein fehlgeschlagenes Experiment der Zunft? Oder, oh! Vielleicht ein magisches Artefakt, das aktiviert wurde - sicher ein sehr teures, malte sie sich bereits aus.
Wirkte es sich auch auf andere Tiere aus? Sie achtete den folgenden Tag darauf, ob vielleicht auffällig wenig Vögel in der Stadt und den Höfen zu sehen waren. Flog auch mal ein Vogelschwarm über die Stadt oder wurde sie gemieden? Wirkten die Nutztiere vielleicht unruhig? Gab es Gerede von kranken Tieren oder Kühen, die gegorene Milch gaben?
***

Sich mit dem ungeliebten Anteil der Gesellschaft abzugeben, war jetzt nichts ungewohntes für sie. Aber sich in so einem Kuriositätenkabinett wiederzufinden, war dann doch ein kleiner Kulturschock.
Dementsprechend angespannt und abgelenkt war sie bei ihren Geschäften, immer mit halber Aufmerksamkeit darauf bedacht, Tentakeln und angefaulten Fingern auszuweichen.
"W-Wieviel wollt ihr dafür? Darf ich einmal sehen?"
Sie war hin und hergerissen zwischen dem Schrecken und der morbiden Faszination gegenüber der Fleischpuppe vor ihr (ob sich da zwei Goblins als Mensch verkleideten?) und dem Interesse an der Ware, deren Legitimität, Zustand und Wert sie einzuschätzen versuchte.
((Schätzen: W1 + 19 = 20))

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