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[Lueith] Tinu Stacia
#1
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"Lueith! Nun komm schon, wir wollen weiter!" die Elfe mit dem blonden Haar, genannt Myesal, lachte und sah über die Schulter zu ihr zurück. "Du setzt ja schon Moos an!"
Die kleine, weißgrauhaarige Elfe hob den Kopf. Bis eben hatte sie mit einem faszinierten Funkeln in den smaragdgrünen Augen einen Schmetterling beobachtet, der ganz vertrauensvoll auf dem Griff ihres Schwertes gelandet war und die Flügel auf und zuklappte womit er seine wunderschöne blau, schwarz und gelbe Zeichnung zeigte, die ihn zusammen mit der charakteristischen Form seiner Flügel als Schwalbenschwanz auswies.
Er flatterte davon als sie zum Antworten die Stimme erhob. "Komme schon!"
Mit raschen, leichtfüßigen Schritten hatte sie zu den anderen aufgeholt. Arvandel warf ihr einen kurzen Blick zu und nickte. Der ernste, schwarzhaarige Elf war der Anführer ihrer kleinen Gruppe, die sich Nai'bael'isar nannte. Sucher der Eichenwächter.
Immer an seiner Seite die kühne und temperamentvolle Veraera, seine Gefährtin die ein wildes Gemisch aus Schmuck, Leder und farbigen Tüchern trug, die sich mit blitzenden schwarz ummalten Augen umsah und mehr durch den Wald tänzelte als schritt.
"Heute treffen wir Turlang den Baumhirten!" verkündete Arvandel mit Gewissheit in der Stimme. "Wenn wir alt und grau sind hat der Hochwald Immerlund verschlungen, denn Turlang setzt die Baumpflänzchen immer weiter nach Norden! Darum… sollten wir uns besser schon heute mit ihm anfreunden!"
"Ava, ava…" Feranis verdrehte die Augen und grinste. "Jedes Mal erzählst du uns dasselbe – und noch nie haben wir ihn getroffen. Das werden wir auch heute nicht."
Wie sie alle, war auch Feranis noch ein junger Elf inmitten seiner Beryn Fin. Wie üblich trug er ein überhebliches, unverschämtes Grinsen auf den Lippen.
"Und wer hat dir diese Eingebung gegeben, dass du das behauptest? Du kannst ja zurückgehen, wenn es dir nicht passt, Feranis."
Natürlich würde er nicht zurück nach Immerlund gehen.
Sie alle liebten ihre Ausflüge. Sie liebten den Nervenkitzel, die Jagd, das Herumstromern – die Freiheit.
Wenn sie auf eine ihrer unzähligen Touren aufbrachen blieben sie meist mehrere Tage, ja gar Zehntage fort. Ihre Wege führten sie oft in den Hochwald oder den Fluss Rauvin entlang, bis hinauf nach Silbrigmond.
Schon mehrmals hatten sie es mit Monstern zu tun, die aus den Nesserbergen im Tal auf Raubzug gehen wollten. Schon mehrmals hatten sich die Nai'bael'isar in Kampf und Fähigkeiten bewähren müssen. Und jedes Mal waren sie erfolgreich gewesen. Bis zum heutigen Tage.

Arvandel, der sich besser auskannte als der Rest führte, spähte und kundschaftete – begleitet von Veraera. Der Rest der Truppe vertraute ihren Fähigkeiten und folgte, sobald diese beiden Zeichen gaben.
In den Abendstunden errichteten sie auf weichem Moos umgeben von schwirrenden Glühwürmchen und dem nächtlichen Rufen der Eulen ihr Lager.
Arvandel und Veraera schmiegten sich aneinander, Myesal kämmte und flocht Lueith das Haar während Fenris an einem Stück Holz herum schnitzte und gruselige Geschichten über die Höllentorfeste erzählte, der sie alle gebannt lauschten.
Bis Arvandel aufhorchte.
"Wer da?!"
Die Gruppe reagierte sofort. Alle rappelten sich auf und sahen sich um.
"Wer ist da?!" rief Arvandel erneut herrisch. "Komm raus!"
"Ja komm raus! Wir haben dich längst bemerkt!" setzte Vaera hinzu.
Er trat hinter einem Baum hervor. Lueith spürte, wie ihr ein Schauder über Nacken und Schultern lief.
Schwarz war er. Eine Gestalt aus völliger Schwärze beschaffen. Nur unter der Kapuze schimmerte helles Haar.
"Ein Drow!" schrie Fenris auf.
Die Nai'bael'isar wichen instinktiv zurück, die Hände flogen zu den Schwertgriffen.
Gemächlich und unbeeindruckt kam der Drow näher.
"Wer von euch ist Lueith?" fragte er in der Gemeinsprache und verzog das Gesicht. Er war groß - für einen Drow geradezu riesenhaft. Hager wie ein Skelett waren die Gesichtszüge eingefallen, die Augen obgleich sie glutrot waren, schienen wässrig und dumpf. Er erwirkte den Eindruck eines dunkelelfischen Gespensts.
Keiner der Nai'bael'isar sprach ein Wort. Myesal schob sich einen Schritt vor Lueith.
Der Drow zog bedrohlich den Mund in die Breite zu einem widerwärtigen Grinsen.
"Aha. Du bist das also. – Also ihr anderen hört zu… ich lasse euch die Wahl und ihr könnt machen was ihr wollt. Mir ist es gleich, wisst ihr? Mir ist es gleich ob ihr lebt oder sterbt… also lasse ich euch die Wahl. Ihr gebt mir die Grauhaarige und dafür bleibt ihr am Leben."
Wie auf Kommando zogen sie alle die Waffen.
"Niemals!" rief Veraera und fauchte wie eine Wildkatze.
"Wir wissen, dass ihr Drow keinem etwas schenkt! Wir wissen, dass du uns nachschleichen und auf eine Gelegenheit warten wirst um einem nach dem anderen das Messer in den Rücken zu stoßen! Wir kämpfen!"
"Kämpfen…" sagte der Drow und schaute sich nach den Seiten um, dann hob er das Schwert. "Ich bezweifle, dass das hier ein Kampf wird. Ein Tänzchen vielleicht. Aber wenn ihr tanzen wollt. Na schön… dann verreckt."
Sie sprangen aufeinander los wie wütende Hunde. Blitzschnell und ohne Warnung. Klingen sausten durch die Luft und erfüllten den Wald mit dem klagenden Klirren von Stahl.
Die Nai'bael'isar wichen zurück, schlugen zu, sprangen wieder hinfort und wieder voran. Wütend, verbissen, gnadenlos. Und erfolglos. Der Drow parierte, schlug, parierte, schlug, kam nicht einmal außer Atem, während er die Gruppe bedrängte und mühelos das Tempo vorgab.
Anfangs war nur das Schlagen der Schwerter zu hören doch dann plötzlich und unerwartet, begannen die Elfen zu schreien. Und zu sterben.
Veraera fiel als erste. Am Hals getroffen stürzte sie auf den Erdboden, rollte sich zum Sterben wie ein Kätzchen zusammen. Das Blut spritzte und besudelte Knie und Waden des über sie hinwegschreitenden Drow. Fenris fiel als nächster, prallte mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und sackte zu Boden, wo er zur Seite hin umstürzte und liegen blieb.
Myesal, Arvandel und Lueiths Angriffe schlug der Drow ebenfalls zurück, worauf er herumwirbelte und mit einem blitzschnellen Hieb Myesal aufschlitzte.
Arvandel und Lue zögerten einen Augenblick. Dann schrien sie auf, wie mit einer Stimme, wild und wütend und stürzten sich erneut auf ihn.
Arvandel fand nur einen Schwertstreich später den Tod.
Myesal, die im blutigen Erdboden nach dem Schwert suchte röchelte und kam hoch. Blut floss ihr aus dem Mund und wie ein Sturzbach aus dem Bauch. Beides schien sie gar nicht zu bemerken.
Lueith schrie verzweifelt auf.
"Neh!! Myesal!"
Doch der dunkle Elf beachtete ihren Schrei nicht. Beachtete sie nicht und ihr Schwert, das sie zitternd erhoben hatte.
Wuchtvoll schlug er erneut quer über Myesals Oberkörper. Sie schleuderte herum, weich wie ein Stoffpüppchen, wie ein mit Blut beschmierter Lumpen.
Der Schrei erstarb Lueith in der Kehle.
"Mörder" sagte tonlos und wunderte sich über die Fremdartigkeit ihrer Stimme. "Mörder. Dreckskerl."
Der Drow wandte sich ihr endlich zu und betrachtete sie neugierig, mit leicht schräg gelegten Kopf.
Die Mordlust, der Blutdurst blitzte in seinen kalten, toten Augen.
"Und? Kommst du nun auch um zu sterben?"
Sie bewegte sich im Halbkreis auf ihn zu. Ließ die Klinge surrend die Luft schneiden.
Er lachte kalt. "Du willst also sterben? Hast du keine Angst?"
Der Drow drehte sich ruhig mit ihren Bewegungen mit, ließ sich in keine Defensive und in keine Falle locken. Doch Lueith war alles gleich. Sie wollte diesen schrecklichen Mann töten. Sie wollte spüren, wie ihre Klinge durch seinen Körper drang. Sie wollte sein Blut sehen, das ihm aus geschlagenen Wunden floss. Wollte sehen, wie das Leben aus dieser schrecklichen Kreatur wich, so dass nichts übrig blieb von seiner Bosheit, außer ein Klumpen Fleisch und Blut.

Schnell schlugen die Schwerter aufeinander. Zu schnell um die Schläge zählen zu können – sei es mit dem Auge, sei es mit dem Ohr. Doch es gab ohnehin keine Zeugen, dieses Aufeinandertreffens die etwas solches hätten versuchen können.
Sie wollten sich töten. Die Mondelfe und der Drow. Und doch kam es nicht dazu.

"Du verstehst wirklich mit diesem Schwert umzugehen, kleine Elfe."
Er spuckte Blut aus und grinste hämisch.
Lueith hatte begriffen, mit wem sie es zu tun hatte. Sie verstand mit dem Schwert umzugehen – doch das reichte nicht.
Sie musste seine Paraden durchdringen. Musste ihn treffen. Durfte nicht zulassen, dass er mit seinen abwehrenden, kraftvollen Hieben erneut Handgelenk, Ellenbogen und Unterarm mit Schmerz lähmte.
Sie durfte auch keine Kraft mehr darauf verschwenden, seinen Schlägen auszuweichen. Seine Deckung durchdringen. Jetzt. Ihn treffen richtig, tödlich oder…
"Du wirst sterben, kleines Biest."
Sie durchbrach seine Deckung nicht. Er wich aus, sie stolperte an ihm vorbei. Die Arme lahm, die Beine erschöpft und ihr Kopf fühlte sich taub an. Mit ihren Kräften war sie am Ende.
Er versetzte ihr einen saftigen Tritt gegen die Seite. Sie flog unsanft zu Boden, neben Veraeras reglosen zusammengerollten Leib.
Lueith schluchzte auf, wollte sich aber aufstemmen. Erneut ein Tritt in den Magen der ihr die Luft aus den Lungen presste. Stöhnend rollte sie zur Seite.
Präzise rammte er seinen Stiefelhacken auf ihren Ellenbogen, dass es knirschte.
Sie krümmte sich vor Schmerz, wimmerte und ließ das Schwert los.
Ein paar Mal trat er noch. Dann packte er ihre Hände, wand ein Seil darum und verknotete es mit routinierten, schnellen Fingern und legte ihr, sie nahm alles nur noch durch einen dichten Nebel wahr, wie einer Hündin ein Halsband um.

Charakter:
-Lueith Larin Elavin Raernean-
~Amathiél Vilkashiat~
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#2

"Zieh dich aus" sagte er. Lue weitete die Augen, rührte sich aber nicht. "Mani? Was?"
"Zieh dich aus!" wiederholte er in einem scharfen Tonfall, sodass die Elfe sich instinktiv duckte. Doch sofort obsiegte die Auflehnung. "Nein!"
Sie sah die Faust nicht kommen, die sie hart an der Schläfe traf. Es blitzte in den Augen und der Erdboden begann zu wanken, bis er sie wieder hart an der Hüfte traf.
Die Hälfte ihres Gesichts und das Ohr brannten und sie erkannte, dass er mit dem Handrücken, nicht mit der Faust zugeschlagen hatte.
Er stand hinter ihr, als sie sich wieder aufrappeln wollte und riss ihr harsch an den Haaren den Kopf zurück – hielt ihr ein kleines, bösartig schartiges Messer vor die Augen.
"Wenn ich von dir noch einmal das Wort nein höre schneide ich dir die Ohren ab und werde dich so zurichten, dass dich deine eigene Mutter nicht wiedererkennen würde, haben wir uns verstanden? Und jetzt steh auf und zieh dich aus."
Unsicher kam sie auf die Beine und mit zittrigen Fingern begann sie Schnallen, Riemen und Knöpfe zu öffnen.
"Zieh alles aus, bis auf den letzten Fetzen. Und dann mach die Beine breit."

Ich bin nicht hier. Alles was nun geschieht, passiert nicht mir. Es geht mich nichts an. Ich bin nicht hier…

Der Drow beobachtete sie dabei, musterte sie gleichgültig, ließ den Blick über ihre nackte Gestalt schweifen. Dann sah er wieder in ihr Gesicht.
"Ich will sehen ob du irgendwelche magischen Amulette, Ringe oder Ketten versteckt hältst, nicht ob mir dein erbärmlicher Körper gefällt, du Idiotin. Hältst du dich für so unwiderstehlich? Ich weiß ja nicht, was du dir einbildest aber tut mir leid dich enttäuschen zu müssen. Du bist eine elfische Halbwüchsige. Flach wie ein Brett, schwach und noch dazu hässlich wie eine Kröte. Selbst wenn ich es sehr nötig hätte, würde ich lieber ein totes Rothé vögeln."
Mit der Stiefelspitze zog er ihre Kleidung und Rüstung auseinander und prüfte alles sehr aufmerksam während Lue stumpf zu Boden blickte.
Nach einer Weile sagte er dann:
"Zieh dich wieder an."
Unbeholfen mit den gefesselten Händen streifte sie sich ihre Sachen über. Als sie sich bückte um die Stiefel zu schnüren, fiel ihr Blick auf ihre gefallenen Gefährten.

Arvandel, Veraera, Feranis, Myesal… Meinetwegen. Sie sind meinetwegen gestorben…. Nicht weinen. Nicht weinen!

Mit einem Mal packte er sie unerwartet am Genick und drückte sie hinunter zu Myesals aufgeschlitzter Gestalt. Sie schrie auf, wehrte sich mit ganzer verbliebener Kraft, bäumte sich unter seinem Griff. Doch es half alles nichts. Sie entkam ihm nicht. Mit seinem Messer das ihm als Zeigestock diente zischte er dicht an ihrem Ohr:
"Ja genau. Sieh sie dir an, deine toten Gefährten. Hässlich, nicht wahr? Gar nicht so, wie sie ausgesehen haben als sie noch lebten. So stolz und erhaben… aber jetzt? Sieh sie dir jetzt an! Aufgerissene Augen, verdrehte Gliedmaßen. Und schau, das sind Innereien die sich nach außen stülpen. Und Blut. Blut, das noch ein wenig nachfließt, solange das Herz noch ein kleines bisschen schlägt. So wie bei deiner Freundin hier… liegt in ihrem eigenem Blut und ihrer eigenen Pisse und so stirbt man dann. Sterben ist nichts Mystisches oder Schönes und schon gar nichts Würdevolles..."
Der Drow lachte, ließ sie los wobei Lue auf Knie und Hände fiel, sich erbrach und trocken schluchzte.
"So sieht der Tod aus und euer Tod heißt Xulzyne!"

Nie kam ihr der Hochwald so grausam, so erschreckend, so abscheulich vor. Er schlug sie noch zweimal. Doch Lue hatte sich in sich zurückgezogen, tief in die Mitte ihres Ichs, sodass weder seine Schläge noch die Demütigungen an sie herankommen konnten. Denn das alles geschah nur einer Puppe. Es war auch eine Puppe die er an Halsband und Kette durch den Hochwald führte, wo er mit ihr in einer Felsspalte verschwand und sie mit hinab nahm. Weit hinab. Ins Dunkel – wo es keine Sonne gab. Auf diese Puppe sah sie gleichsam von oben herab. Was bedeutete es schon, wenn man eine Puppe schlug und ins Dunkel warf? Das war ja nicht sie.

Der Duergar Thangardth musterte sie neugierig. Er war Schwertschmied – hielt aber keinen Hammer, keine Zange oder sonst irgendein Werkzeug in der Hand sondern eine Feder. Mit dem Schaft der Feder klopfte er gegen das Tintenfässchen auf dem Steintisch.
"Eine Waffe für sie? Wenn ich dir einen Rat geben darf: Es ist nie schlau den Sklaven Schwerter in die Hand zu geben Xulzyne. Sie ist hübsch – und eine Elfe noch dazu. Bring sie zur Auktion und du bekommst sicher ein nettes Sümmchen für sie! Für schwere Arbeiten taugt sie sicher nicht – aber der eine oder andere wüsste schon was mit ihr anzufangen."
Der schwarze Zwerg lachte grollend.
"Ich komme nicht her um kluge Ratschläge anzuhören. Ich warne dich, Duergar…" unterbrach Xulzyne schlecht gelaunt.
"Aber ich hätte da noch eine wunderbare Neunschwänzige für dich. Verstärktes Leder - Obsidiandornen. Ein Schmuckstück! Damit wirst du ihr Gehorsam beibringen, wenn du sie ihr nur zeigst, das schwör ich dir!"
"Ich interessiere mich nicht für eine Peitsche" sagte Xulzyne trocken. "Soll ich mich besser woanders umsehen? Oder hast du ein anständiges Eisen für sie?"
"Ich verkaufe nichts anderes als anständiges Eisen! Nun gut. Wollen mal sehen… zeig mir doch mal dein Händchen!" wandte er sich erstmals an Lue. Sie öffnete ihre Hand.
"Klein und fein. Ein Florett vielleicht… oder ein leichtes Langschwert. Ich habe hier ein Rapier mit einem wunderbar gearbeiteten Korb aus Gold. Nichts Grobes! Feinste Arbeit der…"
"Es geht nicht ums Schmuckwerk. Das Schwert soll für den Kampf sein."
Der Duergar blickte knapp und missbilligend zu dem Drow. Weit weniger begeistert und sachlich fuhr er fort:
"Für ihre Größe und ihr Gewicht braucht man eine besonders leichte Ausführung. Kein Standard. Für den Kampf also. Habe verstanden. Hrmn. Ich habe da etwas. Folgt mir."
Sie gingen durch den Büroraum und kamen auf einen Hinterhof. Dort stand Schmiede und Esse und mehrere Tische auf denen auf Seidentüchern gebettet die verschiedensten Waffen aufgebahrt waren.
"Das hier ist meine Auslage. Alles aus meiner Schmiede. Diese dort drüben sind Importe. Menschenwaffen, Elfenwaffen, Hinwaffen..." er zögerte und ging dann hinüber. Xulzyne folgte – und Lue an der Kette mit ihm.
"Hier haben wir einen Zweihänder von der Oberfläche. Gutes Erz aus dem Gebirge des Grats der Welt. Parierhaken, 38 Zoll Klingenlänge. Besonders leicht…"
"Nimm ihn in die Hand. Probier ihn aus." Xulzyne schob sie näher zum Tisch.
Da er mittlerweile davon absah, ihre Hände zusammengefesselt zu halten, nahm sie das Schwert, das ihr der Duergar Griff voran entgegenhielt.
Sie spürte sofort, wie ihre Hand mit dem ledernen Griff verschmolz und das Gewicht dazu einlud auszuholen und zuzuschlagen. Böse funkelnd sah sie zu dem Drow.
Xulzyne lächelte gespenstisch, löste die Kette von ihrem Hals, trat einige Schritte zurück und zog seine geschwärzte Klinge – dann breitete er die Arme.
"Komm her, Elfchen. Das ist deine Chance. Vielleicht deine letzte. Komm her und nutze sie. Töte mich, wenn du es kannst."
Wie der Blitz war sie bei ihm, wie der Teufel schlug sie los. Ein irreführender Seitenblick, ein falsch angetäuschtes Zucken der Schulter – doch er ließ sich nicht täuschen.
Ohrenbetäubend schlugen die Klingen aufeinander. Seine Parade war so wuchtvoll, dass sie zurücktaumelte und um ein Haar im Tisch mit den Schwertern gelandet wäre. Beim Versuch das Gleichgewicht wieder zu erlangen, hätte sie der Drow mit einem Wimpernschlag durchbohren können.
"Seid ihr denn verrückt geworden?!" erhob der Waffenschmied wütend die Stimme.
"Leg das Schwert weg" unverwandt blickte Xulzyne auf Lue. "Leg es weg."
Nach kurzem Zögern tat sie es.
"Besonders leicht ist immer noch zu schwer, Thangardth. Hast du gesehen wie langsam sie war? Langsam wie ein schwangere Ziege aus den Bergen des Grats der Welt!"
Das Gesicht des Duergars wurde um eine Schattierung dunkler. Er winkte Lue mit sich.
"Schau, Elfenkind. Versuch das hier."
Sie zog das Schwert aus der Scheide und seufzte. Selbst Xulzyne raunte anerkennend. Elfische Machart, kein Zweifel. Leicht und scharf wie ein Rasiermesser, schlanke Klinge, langer Griff – aber ein Bidenhänder.
Lueith hielt es in der Hand und blickte zu Xylzyne. Grünes Feuer flammte in ihren Augen. Das Schwert in der Hand verlieh ihr diesmal unerschütterliche Gewissheit. Sie war bereit. Sie würde ihn töten.
Er aber starrte sie mit glutroten, unheimlichen Augen an und mit einem Mal sagte er zum Duergar:
"Nimm es ihr ab, Thangadth. Wir kaufen es. Ja, das ist die richtige Waffe für sie."

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-Lueith Larin Elavin Raernean-
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#3

"Die Rätin hat die Erwartungen enttäuscht! Jeder Augenblick, in dem sie den Rat mit ihrer Halsstarrigkeit blockiert, schadet Immerlund! Wir wissen ja, dass es jemanden gibt, der ihren Platz weitaus besser ausfüllen könnte. Ganz zu Gunsten eines starken, blühenden Handels."
Selence lächelte geschmeichelt.
Die fünf Männer, mit denen er am Tisch saß prosteten ihm zu.
Markus Rabenfurt, Luxuswarenhändler aus Sembia. Waldemar Verdenblum, Juwelier aus Fernberg. Rasmus Kramdiel aus Melvaunt - niemand besaß dort mehr Bergwerke und Silbermienen.
Silas Mistriel aus Athkatla ein Südländer wie man ihn sich vorstellte. Auch wenn Selence die Südländer genau dafür verachtete.
Und zu guter Letzt Laurin di Tressym, wie auch er selbst, ein Mann aus Immerlund und vor allem… Ratsmitglied.
Sie alle waren Sympathisanten des schwarzen Netzwerks. Und dieses Netzwerk hatte jüngst sein Auge auf die Region der Silbermarken geworfen und ihn vor knapp drei Jahren das erste Mal kontaktiert und endlich zu ihrem Spion ernannt.
"Ihr könnt euch sicher sein, meine Herren… ich bin dem schwarzen Netzwerk und seinem Aufstieg in Immerlund ergeben. Die Stadt könnte unter ihm erblühen. Vor allem natürlich durch den Handel! Calathaviel tut aus unerfindlichen Gründen alles um die Beziehungen mit den ehrenwerten Herren zu unterbinden, was Immerlund, und da sind die ehrenwerten Herren und ich uns wohl einig, klarerweise schadet. Doch das Haus der Einhornreiter verliert an Einfluss. Es ist geschwächt und zählt nur mehr wenige Mitglieder. Noch mehr ins Wanken gerät es, wenn die innigst geliebte Tochter des Hauses, das kleine Täubchen, der Augenstern von Calathaviel und Ruadeth verschollen ist. Lueith ist fort und Haus Raernean weiter destabilisiert."
"Ist sie denn tot? Das Elfenkind?" frage di Tressym in einem Tonfall als spräche er von einer unsäglich lästigen Angelegenheit.
"Nun, der Drow hat sie alle niedergemetzelt. Keine Zeugen. Wie vereinbart. Und die Leiche des Mädchens hat er verschwinden lassen. Ebenfalls wie vereinbart."
"Also habt ihr den Kopf des Mädchens noch nicht gesehen?"
"Nein, meine Herren. Aber es ist ja auch erst ein paar Tage her. Warten wir. Ich bin mir sicher der Beweis wird geliefert."
"Der Drow ist zuverlässig" sprach Karmdiel ruhig. "Habt keine Sorge."
Rabenfurt schlug mit der Faust auf den Tisch und ereiferte sich: "Calathaviel hat sich und den ihren den Strick selbst um den Hals gelegt, indem sie alle Verhandlungen mit uns abbrach. So kommt es eben, wenn man es sich mit uns verscherzt! Bald wird die Saat der Zentharim auch in Immerlund gesät sein. Ein Anfang. Ein guter Anfang. Und wenn die Saat aufgeht, können wir uns Silbrigmond zuwenden. Von diesem Anfang aber, meine Herren, werden wir alle profitieren."
"Langsam, Rabenfurt. Noch ist Calathaviel Rätin, noch hat kein einziger von uns einen Fuß in der Tür. Abgesehen von di Tressym und Selence. Und die beiden allein konnten uns bislang noch gar nichts verschaffen. Keine Verträge, kein Handelsabkommen, keine Geschäfte. Noch nicht mal einen armseligen Stand auf dem Markt! Selbst wenn die Rätin alle ihre Aufgaben vernachlässigt um selbst auf die Suche nach ihrer Tochter zu gehen, was ich stark bezweifle…" erklärte der Südländer mit einem dünnen Lächeln.
Die beiden genannten verzogen beleidigt die Gesichter. "Sapperlot!" knurrte Rabenfurt.
Der skeptische Mistriel fuhr unbeirrt fort:
"Wir können nicht das Fell des Löwen gerben und aufteilen, so lange er noch lebt."
"Ihr wollt also eine blutige Lösung, Mistriel?"
"Ich will eine endgültige Lösung."
"Ich stimme zu."
Kramdiel nickte lediglich gefühllos.
"Ehe wir das Fell gerben und aufteilen, werden wir den Löwen auch erlegen" sprach Selence kalt und jeden Zweifel unterbindend.
Schweigen. Langes Schweigen.
Der bislang stille Verdenblum wischte sich mit seinem modischen Federmützchen über den kahlen Kopf als er mit bebender Stimme flüsterte: "Also… ein Attentat, verstehe ich recht? Der Tod Calathaviels ist beschlossene Sache?"
"Der Tod ist beschlossene Sache."
"Tod."
"Tod!"
"Der Tod ist die einzige Lösung. Calathaviel und Haus Raernean loszuwerden. Wenn sie tot ist, wird Selence alle Unterstützung haben. Auf seine Seite werden die weisen Männer und Frauen treten, denn er ist der einzig richtige Kandidat."
"Ich warne" ließ sich Mistriel vernehmen "dass uns das nicht so glatt von der Hand gehen wird. Unser Plan fußt letztlich darauf, dass Calathaviel stirbt. Aber wir sollten nicht außer Augen lassen, dass sie eine unübertroffene Schwertkämpferin und Kriegerin ist. Sie wird, gebt euch keinen Illusionen hin, bis zum letzten kämpfen. Außerdem ist erst einmal der magische Schutz zu überwinden. So leicht findet sich keiner, der sich ihrer annimmt – überhaupt annehmen kann. Das ist etwas anderes als fünf halbwüchsige Elfen zu töten."
Selence nickte geflissentlich. "Und hier meine Herren, biete ich abermals eine Lösung an."
"Ihr habt die Fähigkeiten nicht, die es braucht um der Elfe auch nur ein Haar zu krümmen. Abgesehen davon wären alle unsere Pläne zu Nichte, würde man euch etwas nachweisen können. Nichts da. Wir heuern gedungene Mörder an und ihr haltet euch raus. Finito! Basta!"
"Haltet ihr mich für so dumm, Herr Mistriel? Wir sind hier zwar im Norden, aber ihr sprecht nicht mit einem Barbaren sondern einem Meister der Magie. Ich weiß was ich tue – und was ich anfasse gelingt. Hört also her: Zauber, die auf Willen und Geist abzielen sind meine Spezialität. Der Attentäter wird dies also tun, so wie ich es will. Verzaubert und hypnotisiert. Programmiert wie ein Golem, wird die richtige Person das Attentat ausführen. Eine Person die alle Schutzzauber umgehen kann und bei der Calathaviels Schwertkünste unerheblich sind. Sie wird Calathaviel töten. Woraufhin diese Person Selbstmord begeht. Was für ein tragisches Ende für das Haus Rearnean."
"Interessant" knarrte Rabenfurt. "Und wer ist diese Person?"
"Calathaviels langjähriger Gefährte – und Lueiths Vater."

+++++++++++++++++++++++++++

"Alles weist darauf hin, dass eure Tochter nicht mehr lebt, Rätin Calathaviel… Sie ist höchstwahrscheinlich wie ihre Gefährten auch vor zwei Tagen, zur Herbst Tagundnachtgleiche, zu Tode gekommen. Ich bedaure zutiefst euch keine andere Neuigkeit bringen zu können, Herrin."
Das Gesicht der schönen Elfe wurde hart wie Stein. Rätselhaft und nichtssagend wie eine Sphinx. Kalt wie Marmor. Ihre Hand schloss sich um den Schwertgriff, derart fest, dass die Knöchel weiß hervortraten.
"Und doch konnten eure Späher keine Leiche ausfindig machen?"
"Spuren, die westwärts führten, Rätin. Tiefer in den Hochwald. Sie mag geflohen sein, doch es verliert sich ihre Spur…"
"Verliert sich? Das spricht nicht für, eher gegen ihren Tod, Magister Selence. Ihr seid mir sehr voreilig mit euren Schlüssen. Erklärt ihr meine Tochter doch für tot, obgleich es keinen Beweis dafür gibt?"
"Herrin, die vier anderen Jünglinge wurden -"
"Regelrecht massakriert. Ich weiß. Und doch ist meine Tochter nicht gleichsam Opfer dieses Gemetzels geworden. Vielleicht war sie gerade nicht zugegen? Oder konnte fliehen und versteckt sich nun irgendwo in den Tiefen des Hochwaldes?"
"Herrin?"
"Sie lebt, Magister."

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-Lueith Larin Elavin Raernean-
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#4

Es war verteufelt dunkel, drückende Schwüle herrschte und es roch merkwürdig. Es gab einfach nichts, das sie kannte mit dem Lueith das hier unten hätte vergleichen können.
Kein Lüftchen regte sich, das der Schwüle hätte Milderung verschaffen können.
Sie vermisste einmal mehr schmerzlich den Wind. Sie vermisste den Himmel, das Licht, die Sonne, den Mond, die Sterne. Und Wasser – oh, Wasser - in all seinen lebendigen Formen. Regen, Bäche, Flüsschen, kühle Seen.
Hier unten war trinkbares Wasser Mangelware, das hatte sie schnell begriffen.
Tagelang saß sie auf dem Trockenen, bis er sie wieder an eine Felswand führte, wo sie tröpfchenweise das kostbare Nass ablecken musste.

Wie lange war sie nun schon in der Gefangenschaft dieses Drow? Zehntage? Monde? Nach nur wenigen Tagen hatte sie völlig die Zeit und schon weit früher die Orientierung verloren. Xulzyne führte sie durch die dunklen Gänge, Höhlen und Schächte ohne große Mühe, ohne viel Worte und ohne viel Beachtung. Doch er hielt sie die ganze Zeit an der Kette am Halsband fest. Die ganze Zeit.
Oft genug riss er harsch daran und stauchte sie zusammen, schimpfte sie eine unvorsichtige, unwissende Idiotin – und Schlimmeres - wenn sie zu nah an völlig unscheinbar wirkenden Pilzen, Pflanzen oder Felsformationen vorüberging. Und so erweckte es dein Eindruck, dass nahezu alles hier unten gefährlich, giftig und tödlich war.
Meist demonstrierte der Drow ihr dann was das entsprechende Ding so gefährlich machte – und tatsächlich! Es war alles hier unten gefährlich, giftig und tödlich.
Sie wusste, warum er sie nah genug an die Gefahren heranführte um sie ihr dann vor Augen zu führen. Er wollte ihr zeigen, dass sie hier keine Stundenkerze alleine überleben würde. Dass jeder Fluchtversuch unweigerlich mit dem Tod enden würde. Er aber kannte sich aus.
Sie käme hier nicht mehr lebend heraus. Nie wieder. Nicht ohne ihn.

Den Außenposten, wo sie auch das Schwert gekauft hatten, lag längst hinter ihnen. Er schien es eilig zu haben, die Oberfläche, den Hochwald, ihre Heimat, hinter sich zu lassen. Noch immer verstand sie seine Motive nicht, wusste nicht was er mit ihr vor hatte. Wem oder was würde er sie ausliefern?

Sie stöhnte, als er sie hinter sich her zog. Die Hüfte, in die er sie tags zuvor getreten hatte, schmerzte. Er riss an der Kette ihres Halsbandes und zerrte sie in eine Nische. Abnorm große Spinnweben hingen in klebrigen Fetzen an den Felswänden und verfingen sich in ihrem Haar. Lue schüttelte sich.
"Sei still!" herrschte er sie an. Sie war still und lauschte angespannt. Blinzelte ins Dunkel und versuchte zu erahnen, was Xulzyne bemerkt hatte.
Der Gestank des Todes hing hier in der Luft vermischt mit einer beißenden, ekelerregenden Ausdünstung. Dann hörte sie leise, kehlige und quietschende Stimmen und die Klänge einer vertrauten Sprache. Sie verstand den Inhalt nicht, wusste aber was dort gesprochen wurde.
Goblinisch.
Er hob die Hand und zeigte zwei Finger.
Warum zögerte er? Wenn sie ihnen im Weg standen, wäre es für einen Drow kein Problem sie zu vertreiben. Selbst Lue konnte sich gegen eine Hand voll stinkender Goblins allemal behaupten.
Er löste sie Kette von ihrem Halsband und drückte ihr das für sie gekaufte Schwert gegen die Brust.
"Ich soll gegen diese Goblins kämpfen?"
"Goblins…" wiederholte er mit eine heimtückischen Grinsen.
"Merk dir, was du jetzt lernst." Mit diesen Worten stieß er sie unsanft zurück in den Gang, der in eine kleine Höhle mündete.
Mit Grausen realisierte Lueith, dass sie die Goblins bei ihrer Mahlzeit gestört hatte und diese Mahlzeit aus dem zerfetzten Fleisch- und Blutgebilde bestand, das mutmaßlich einst ein humanoides Wesen war.
Die beiden wandten der Elfe ihre Fratzen zu. Blut verschmierte Münder und Gedärm in den bloßen Händen. Die Goblins knurrten, bleckten die Zähne, die unnatürlich lang und spitz waren. Lue wich zurück. Derartiger Hass, derartige Fremdartigkeit war Lue noch nie begegnet – und ganz gewiss nicht bei gewöhnlichen Goblins. Sie sah sich nach dem Drow in der Felsnische um doch Xulzyne war verschwunden. Ihr blieb keine Zeit einen Gedanken darüber zu verschwenden denn die Kreaturen hatten sich in Bewegung gesetzt.
Auf allen Vieren rannte erst die Eine los und in weiten Sätzen auf sie zu. Die Zweite folgte auf dem Fuße. Zwei, dreimal berührten ihre Hände den Stein, dann waren es keine Hände mehr sondern große, krallenbewährte Pfoten. Die Augen glühten vor bösem, krankhaftem Willen grellorange auf.
Lue überwand schnell ihre Überraschung und den Drang Hals über Kopf davon zu rennen. Sie kontrollierte den Griff des Schwertes, ging in Positur. Dann waren die Wölfe schon bei ihr. Sie sprang zurück und donnernd klappte das gigantische Maul des Ungeheuers nur Zentimeter vor ihrem Gesicht zusammen. Die Elfe drehte sich zur Seite und schlug ohne aus zu holen das Schwert in die Flanke der Bestie. Ein wütendes Heulen rollte durch die Höhle und angestachelt vom Zorn des ersten wagte nun auch das zweite Wesen einen Angriff, nachdem es Lueith bislang nur lauernd im Halbkreis umschleichen wollte. Mit einem Wirbeln erhob die Elfe die Klinge über ihren Kopf und stieß sie der sie anspringenden Wolfskreatur in den empfindlichen Unterbauch. Sie jaulte auf, als schwarzes, finsteres Blut aus der geschlagenen Wunde troff. Doch die Wucht des Sprunges konnte die Elfe nicht mehr kompensieren. Sie stürzte und wurde mehrere Fuß fort geschleudert, wobei ihr die Klinge aus der Hand und über den steinigen Boden glitt.

Das war es. Mein Fehler, ihre Gelegenheit... das wird mein Tod.

Sie sah weder den Hieb, noch die Klinge. Sie hörte nur wie eine der beiden Kreaturen, die geifernd auf sie zuhielten, wie vom Wahnsinn gepackt kreischte und auf die Hinterbeine sackte und die zweite sich zähnefletschend von Lue abwandte. Xulzyne hatte zugeschlagen. Gründlich.
Er wich einem Schlag der Krallen aus, hieb mehrmals zu und ehe das Wesen begriff, trennte ihm der Drow ein Drittel seiner Klaue ab und traf es gegen die Schläfe. Ein Wischen in der Luft, dann war der Drow im Nichts verschwunden und der Wolf schüttelte benommen seinen blutenden Kopf, drehte sich knurrend, humpelnd um sich selbst. Der große Brustkorb pumpte pfeifend Luft. Ein Stich musste die Lunge erwischt haben.
Das zusammengesackte Wesen dicht bei Lue lebte noch und versuchte sich kriechend auf sie zu zu bewegen, bis es mit einem Schwertstich auf den sandigen Boden genagelt wurde und jegliche Regung sofort erstarb.
Auch der zweiten Kreatur wurde mit einem einzelnen letzten Hieb der Garaus gemacht.

Sie vergingen in einem Feuer, das wie aus dem Nichts kam und ebenso verschwand. Begleitet von qualvollem Geschrei und Geheul vieler, zahlloser Stimme in vielen, ebenso zahllosen Sprachen.

Mit einem Tritt beförderte Xulzyne das Schwert aus Lues Reichweite. Leise fluchend stemmte sie sich in die Höhe. Er befestigte die Kette.
"Das waren Barghesten. Infernalische Wölfe aus den neun Höllen. Keine Goblins."
Er spuckte ihr vor die Füße um zu zeigen, was er von Goblins und ihrer Einschätzung hielt.
"Barghesten kommen hier her um sich von Leiber und Seelen derer zu ernähren, die dumm genug sind sie zu unterschätzen. Ich hab deinen Blick gesehen. Den Spott in deinen giftgrünen Augen, du arrogante Schnepfe. Kneift er wegen zwei Goblins? Merk dir eines, Elfchen: Auf dieser Welt gibt sich der betrügerische Anschein sehr oft für die Wahrheit aus. Wer überleben will, lernt besser den Anschein zu durchschauen."

Später bereute Lue es, nicht einfach die Chance der Kettenlosigkeit genutzt zu haben. Blindlinks in die Höhlen und Schächte des Unterreichs hinein. Vielleicht wäre sie entkommen? Vielleicht hätte sie das Schicksal begnadigt und sie hätte zurück an die Oberfläche gefunden? Sehr wahrscheinlich aber wäre sie einfach gestorben… sie bereute es dennoch.

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-Lueith Larin Elavin Raernean-
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#5

"Was für ein… attraktives… Körperchen. Nicht übel, Xulzyne, nicht übel" die ältere Drow leckte sich die trockenen, dunkelrot bemalten Lippen. "Sie ist nicht besonders hübsch würde ich sagen und sie taugt nicht für Profit in unserem Gewerbe, wenn du mich fragst. Aber sie hat ein angenehmes… Körperchen."
Lueith fuhr herum, stieß die nach ihr ausgestreckte Hand fort und erbleichte vor Wut. Dabei zischte sie wie eine wütende Schlange.
Die jüngere Drow namens Paelinn lachte weich auf, während sich die ältere abermals mit der Zunge über die Lippen fuhr.
"Um es ans Bett zu binden taugt es allemal, das Körperchen – dann wird es auch… zugänglicher. Ob du mir sie wohl verkaufst, Xulzyne?"
"Riskant" sagte Xulzyne leise. "Das ist riskant, mein Mädchen zu reizen, Ivelios. Sie ist rachsüchtig. Also besser nicht anfassen. Nicht anfassen und nicht reizen. Sie steht nicht zum Verkauf."
"Dieses großäugige Elfchen soll also die versprochen Unterhaltung garantieren?" fragte die Jüngere zweifelnd. Sie war größer als Xulzyne und präsentierte ihren wohlgeformten, muskulösen Körper in geradezu provokanter und für Lueith schamloser Art und Weise. Ein paar lederne Riemen bildeten das Herzstück ihres Hemds und bedeckten gerade das Mindeste. Hüftabwärts fiel ein violettes, seidenes Tuch ihre Kehrseite hinab und umspielte ihre Beine. An ihrer rechten Hüfte baumelte eine zusammengerollte Karbatsche. Sie ging im Kreis um Lue herum und betrachtete sie ungeniert aus ihren blutroten Augen heraus. "Xulzyne und du bist dir sicher, dass sie hält was sie verspricht? Sie sieht mir nicht recht kräftig aus. Ich hoffe wirklich, dass du dich in ihr nicht täuschst."
"Hat dich meine Ware jemals enttäuscht, Paelinn?"
"Bisher nicht. Aber seit der letzten Ware ist schon eine kleine Weile ins Land gezogen. Und einmal erkämpftes Vertrauen baut sich hier im Menzoberranzan wie von alleine ab, du weißt doch…? Und ich dachte schon beinahe du wärst tot."
"Paelinn, ich bitte dich. So pessimistisch kenne ich dich gar nicht. Sie wird unterhaltsam sein. Ihr werdet es sehen. Und wenn nicht, dann hetzt du einfach deine Spinnen auf sie. Die sorgten doch bisweilen zuverlässig für Unterhaltung."

Allmählich begann Lueith zu verstehen. Sie verstand nun, was man mit ihr vor hatte. Sie spannte sich an, war entschlossen bei der ersten Möglichkeit die Flucht zu ergreifen. Jedes Risiko dafür in Kauf zu nehmen. Doch sie gaben keine Gelegenheit. Sie bewachten sie gut.

Einige Tage später wurde sie von Xulzyne in die Arena von Menzoberranzan geführt. Diese lag inmitten eines nobel wirkenden Stadtviertels – denn im Vergleich zu dem, was sie von der Stadt kennen gelernt hatte, war es hier ungewohnt sauber. Kein Echsenkot, kein Dreck, kein Gestank und vor allem: keine anderen Spezies als Drow, die man hier auf der Straße antraf.
Das Innere des Gebäudes war zum bersten voll. Die ellipsenförmig angeordneten Sitzreihen waren bis zum letzten Platz gefüllt und bildeten ein Amphitheater ringsum eine ausgehobene Grube, die von einer steinernen Balustrade umsäumt war. Der Gestank und der Lärm waren betäubend. Xulzyne führte sie am Halsband durch die Massen. Sie spürte einen Ruck an der Kette, Xulzyne griff sie unter den Achseln und unversehens befand sie sich auf dem sandigen, hartgetretenen Boden der Arena. Er warf ihr das Schwert nach, sodass es im Boden stecken blieb.
Das Gebrüll der Menge schwoll an. Sie sah, wie Xulzyne mit den beiden Drowfrauen den Platz in einer Loge einnahm. Lueith hielt sich die empfindlichen Ohren zu als laut und unerwartet ein Gong geschlagen wurde.
"Hört her und schaut! Heute haben wir in unserer Arena die Elfe Lueith von der Oberfläche! Junges Blut, frisches Blut! Wetten werden am Eingang angenommen!"
Das Getöse wurde unerträglich.
Lue sah das dunkle, trockene Blut an den Balken, die den Rand der Arena begrenzten. Sie sah das vergitterte Loch in deren Mitte und roch den Gestank der daraus hervorquoll. Und sie sah die beiden vergitterten Eingänge zu je einem Ende der Ellipse.
Auf der ihr gegenüberstehenden Seite der Arena wurde ratternd das Gatter geöffnet.
Das Eintreten des Elfen wurde mit donnerndem Applaus belohnt.
Lueith spürte, wie ihr Innerstes gefror.

Nur am rechten Arm trug er eine Lederschiene, die blitzende Klinge eines Langschwertes in der Hand. Ansonsten war er bis zum Gürtel nackt. Er kam näher, die Spitze des Schwertes zeigte gen Boden und doch bemerkte Lue, dass er bis zum Zerreißen gespannt war.
Das schwarze Haar zu einem engen Knoten zurückgebunden, das Gesicht hager und die tief in ihren Höhlen liegenden Augen sahen sie geradezu tierisch lauernd an. Die einstig grünlich-kupferfarbene Haut war blass und schien dünn wie Pergament. Sie konnte jede Ader sehen, wie sie sich dunkel unter seiner Haut wanden.
Lue weitete die Augen und ließ ihn herankommen. Doch zog sie das Schwert nicht aus dem Sand.
In der elfischen Sprache, sagte sie sehr leise. "Tu das nicht. Zwing mich nicht gegen dich anzutreten, Bruder. Bitte."
Er reagierte kaum merklich und doch… war da ein Zucken in seinen leeren, farblosen Augen.
"Du verstehst nicht..." krächzte er in der Gemeinsprache.
"Töten! Töten!" brüllten die Zuschauer.
Er hob das Schwert, griff an. "Neh!" Lueith sprang zur Seite. Er hatte mit ihrer Schnelligkeit nicht gerechnet. Ganz offenkundig nicht. Er lief ins Leere und Lue hatte das Schwert in der Hand.
Sie schlug nicht zu, obgleich er ihr einladend seine ungeschützte Flanke offerierte.

Xulzyne schrie durch das Gebrüll zu seinen beiden drowischen Begleiterinnen: "Das war armselig. Lahme Nummer. Ein einfacher Ausfall. Ich hätte mir etwas Spektakuläreres erwartet. Aber … man muss zugeben es hat gereicht. Hätte sie gewollt, wäre er jetzt schon tot."
Ilvelios rieb die Schenkel aneinander. Paelinns Miene war eine Maske der Undurchdringlichkeit. Nichts verriet, was sie von dem hielt, das sich vor ihren Augen in der Arena abspielte.

"Ich habe gesagt, zwing mich nicht! Ich will dich nicht töten! Ich will nicht gegen dich kämpfen! Aber ich lasse mich nicht anrühren! Geh! Geh zurück woher du gekommen bist!" fauchte Lue.
Buh-Rufe aus der tosenden Menge. Schreie nach Blut und Tod. Jemand spuckte den Elf an. Sie spuckten auch auf Lue herab.
Die Elfe trat zurück und senkte das Schwert, ihr Blick suchte Xulzyne in seiner Loge.
"Du willst mit mir spielen? Du willst mich zum Töten zwingen?! Ich werde nicht kämpfen! Hörst du?! Du zwingst mich nicht!"
Xulzynes Augen funkelten warnend. Der Elf, dem sie den Rücken zugedreht hatte, sah seine Chance als gekommen. Sie wirkte abgelenkt und unkonzentriert.
Er atmete heftig aus und stieß schreiend voran. Schnell und heimtückisch. Im letzten Augenblick wich sie zurück, doch das Schwert traf sie hart an der Schulter. Sie keuchte auf, ging auf ein Knie und rollte sich blitzschnell nach vorne hinweg.
Blut floss und tränkte den sandigen Boden, der das Blut sofort in sich aufsog. Die Menge schrie begeistert auf, johlte und jubelte.
"Warum tust du das, Bruder?!" schrie Lue verzweifelt – mit Mühe parierte sie seine Schläge und mit größter Mühe kam sie unter dem Klingenhagel irgendwie wieder auf die Beine.

"Er bringt sie um" sagte Paelinn kalt und mit einer gefährlichen Schärfe in ihren Worten. "Das ist nicht die Art Unterhaltung die wir uns vorgestellt haben, Xulzyne! Ein Kampf und tot? Das ist unprofitabel und unprofessionell!"
"Aber schön ist es… schön wie sie sich gegenseitig schlachten… die Elfen" flüsterte Ilvelios lasziv hauchend und strich sich mit einer schwarzen Hand zwischen die Beine und schmiegte sich an Xylzynes Seite. Sie bemerkte es nicht, dass sich seine Mundwinkel angewidert verzogen.

Der Elf ließ nicht nach. Unbarmherzig schlug er und schlug erneut. Er war erfahrener als Lue, das spürte sie sofort. Dennoch machte er kein schnelles Ende – obwohl er es gekonnt hätte, da war sie sich sicher. Sie geriet in die Defensive. Parierte nur noch. Sie musste diesen Kreislauf durchbrechen. Ihn mit einer unerwarteten Bewegung aus dem Rhythmus bringen. Mit einem schnellen Wechselschritt sprang sie wie eine Tänzerin zur Seite. Weit weniger tänzerisch stolperte der Elf an ihr vorüber. Sie hieb mit der flachen Seite der Klinge wuchtvoll gegen seinen Rücken. Er begann zu keuchen.

"Sehr gut! Die Instinkte setzen sich durch!" rief Xulzyne den Frauen zu. "Sie hat gute Reflexe!"
Doch die Menge schrie vor Empörung und Enttäuschung.
"Blut! Blut! Blut!"

Er hatte sich schnell wieder gefangen und ließ Lue keinen Moment zu Atem kommen. Sie reagierte.
Und da fiel ein schicksalhafter Hieb der ein Leben beenden sollte. Sie durchtrennte mit einem raschen, eleganten Hieb die ungeschützte, linke Oberarmarterie. Blut floß sofort massenhaft.
Lue erschrak. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie dem Elfen entgegen. Und er revanchierte sich.
Sie riss den Kopf zurück, doch die Spitze seiner Klinge fuhr ihr quer über das Gesicht. Die scharfe Schneide fraß sich tief in Stirn und Wange. Ihr Blick wurde blind vom Blut. Sie taumelte zurück und hielt sich das Gesicht.

"Oh" seufzte Paelinn mit gespielter Betroffenheit. "Das mindert ihren Wert auf dem Sklavenmarkt aber ganz erheblich."
"Nicht zu verkaufen" knurrte Xulzyne.

Das Blut floss ungehindert seinen Arm herab und mit jedem Herzschlag wurde er schwächer und schwächer. Bis er zu Boden ging. Lue hörte nicht das Brüllen der Menge, den Applaus, die Rufe. Sie sah Xulzyne nicht, der sich selbstgefällig zurücklehnte.
Lue kroch zu dem Elfen und nahm seinen Kopf in ihre Hände.
"Du weißt doch schon, was dich erwartet, Mädchen" röchelte er kraftlos im Sterben. Er sprach elfisch.
"Du weißt schon, wer diese Drow sind. Hast sie schon kennengelernt. Und gesehen wozu sie im Stande sind. Oder hast du wirklich keine Vorstellung? Sieh sie an. Da siehst du, was sie erregt. Sie werden dich immer wieder hier herunter stoßen. Immer wieder und du wirst zum Vergnügen töten. Du wirst töten. Und wenn es ihnen keinen Spaß mehr macht wie du tötest, wenn ihnen die von dir verübte Gewalt langweilig wird, dann werden sie dich töten. Sie werden so viele auf dich hetzen, dass du keine Deckung mehr findest. Oder sie lassen ihre Spinnen auf dich los. So viele Spinnen… und sie zerreißen dich und die Drow werden Blut riechen und jubeln und dann stirbst du… und hast nie mehr Bäume gesehen. Nie mehr den Himmel und nie mehr den Wald… du vergehst… Und hast nie mehr… die deinen… oh Schwester, Schwesterchen..." sein Blick glitt durch sie hindurch und er konnte seinen Satz nicht zu Ende sprechen. Er starb in ihren blutigen Händen.

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-Lueith Larin Elavin Raernean-
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#6

Lue stand auf und wankte einige Schritte, der Zweihänder schleifte in ihrer schwachen Hand über den Boden. Sie spürte den Schmerz kaum, bemerkte nur wie Blut und immer mehr Blut über ihr Kinn auf den Boden tropfte.
Plötzlich wurde es sehr still.
Sie drehte das Schwert langsam in der Hand herum, stützte den Knauf in den Sand und beugte das Knie. Mit der rechten Hand hielt sie die Klinge, mit der linken ließ sie die Spitze präzise unter ihr Brustbein zielen. Sie schloss die Augen. Die Spitze des Schwertes stach sie.

"Nein! Tu das nicht!" rief eine Frauenstimme.
"Lasst sie!" rief eine andere.
"Haltet sie auf!"
Ein einzelnes, hohles Lachen.

Paelinn erhob sich jäh von ihrem Sitzplatz. Sie zischte Xulzyne etwas zu, gestikulierte erbost und deutete auf Lue, die die Augen geschlossen hielt.

Nicht weinen. Es gibt keinen Grund. Nichts worum ich weinen muss. Eine heftige Bewegung und es ist vorbei. Das alles ist vorbei.

"Du bringst das nicht fertig" hörte sie Xulzynes Stimme in der unwirklichen Stille der Arena. "Man hat dir vielleicht beigebracht zu kämpfen und zu töten – doch um sich selbst zu töten braucht es mehr Mut, mehr Kraft und mehr Entschlossenheit. Aber das bekommt man nicht beigebracht. Man hat es oder man hat es nicht. Und du… hast es nicht, Lueith."

Er hatte recht.
Sie brachte es nicht fertig. Und sie bezahlte dafür, wie jeder Feigling bezahlt. Mit Schmerz, Schande, widerwärtiger Unterwerfung für die kommenden Monde und entsetzlicher Abscheu vor sich selbst für noch viele weitere.


++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Leise, zart sang der Wind durch die Bäume und fügte sich harmonisch mit dem Rauschen des Flusses zu einer Sinfonie der Ruhe und des Friedens. Eine Melodie die ihr Herz nur mehr schwerlich erreichte. Oder gar nicht? Lueith hielt die Augen weit offen auch wenn sie blicklos ins Nichts gerichtet schienen. Sie sog den Geruch auf. Lauschte, lauschte sehr konzentriert und versuchte zu erhaschen, was einst in ihr war. Eben dieser Friede und diese Ruhe – zumindest ein Teil davon? Ihre Hand am Griff des Schwertes, das quer über ihren Schenkeln ruhte, strafte den zaghaften Versuch Lügen.

"Ich nehme dich zu meiner Schülerin, wenn du lernst deinen Zorn zu beherrschen."

Meinen Zorn beherrschen, überlegte sie.
Was soll das überhaupt bedeuten? Ich beherrsche ihn doch. Bestens sogar. Rache, Vergeltung, Zorn. Die heilige Dreieinigkeit. Ich habe das Gleichgewicht dieser drei gefunden. Rache, Vergeltung und Zorn.
Nur so lässt sich das Böse besiegen. Nur so, hat man eine Chance. Haben diese Theoretiker, die von Vergebung und Moral, von Ethik und dieser schönen optimistischen Phiolosophie sprechen neben all dem Studieren und Philosophieren überhaupt Zeit jemals aus dem Fenster zu blicken, wie die Welt wirklich aussieht? Haben sie überhaupt eine Ahnung von Rache und dem Durst danach um darüber zu fachsimpeln? Wurde ihnen jemals etwas wirklich Böses zugefügt um zu wissen, wovon sie reden?
Auge um Auge. Zahn um Zahn ist eine dieser Philosophien über die sie sich so gerne den Kopf zerbrechen.
Ist das Prinzip der Rache im Kampf gegen das Böse gerechtfertigt? Ja, ist es.
Doch nicht Auge um Auge und Zahn um Zahn. Das genügt nicht.
Beide Augen für eines. Alle Zähne für einen. Denn das ist das einzige, was das Böse fürchtet. Keine Predigten über das richtige Leben, über Moral oder Ethik - sondern Schmerz. Verkrüppelung, Qual und schließlich den Tod.
Das Böse, das vor Schmerz heult wie ein Hund und sich am Boden wälzt und quiekt, während es zusieht, wie ihm das Blut aus den Venen und Arterien spritzt, wenn es die Därme sieht, die ihm aus dem Bauch quellen und die Knochen die aus den Stümpfen ragen, wenn es fühlt, wie mit der Kälte auch der Tod kommt. Endgültig! Dann und nur dann stehen dem Bösen die Haare zu Berge vor Angst und dann erst schreit es: "Erbarmen! Ich bereue alle meine Süden! Ich will leben und nicht sterben! Vergebt was ich getan habe!"
So kämpft man mit dem Bösen.
Wenn das Böse dir schaden und Schmerz zufügen will, dann komm ihm zuvor. Am besten, wenn es nicht damit rechnet. Wenn es dir nicht gelingt zuvor zu kommen, dann zahl es ihm heim, dem Bösen. Dann, wenn es schon vergessen hat, wenn es sich sicher fühlt. Dann zahl es ihm heim. Zweifach. Dreifach.
Sorge dafür, dass es vor Schmerz heult, dass ihm von diesem Heulen die Augäpfel bersten. Und dann, wenn es erledigt ist, dann kann man sagen, das was dort liegt fügt niemandem mehr Schaden zu. Wie auch? Ohne Hände? Ohne Augen? Ohne Leben?
Es ist vielleicht nicht das Gute, was dann übrig ist. Aber das Böse ist es ganz gewiss auch nicht mehr.


Über ihr zirpte und tirilierte ein Vögelchen. Sie hob den Kopf, wandte den Blick zu beiden Seiten und vergaß für einen Moment ihre Tirade über Rache und das Böse. Elboria schien so friedlich – im Moment.
Sie presste die Lippen aufeinander und versuchte ihren galoppierenden Herzschlag zum Schritt zu überreden, ihren fliegenden Atem zu beruhigen.

Ich vergifte diesen Frieden…
Bin ich überhaupt noch eine Tel’Quessir?
Gehöre ich noch zu unserem Volk? Oder bin ich entfremdet, wie ein Rehkitz das, weil es ein Geruch überlagert, von der Mutter nicht wieder erkannt, nicht wieder angenommen wird?
Ich spreche noch die Sprache der meinen und doch tue ich es nicht. Meine Wortwahl ist so zynisch und verächtlich. Vulgär. Selbst im Scherze verletzend. Und meine Gedanken… sie sind bitter und tragen stets den Geschmack von Blut und Chaos.
Selbst wenn ich mir Mühe gebe… selbst dann.
Als ob es nichts anderes gäbe auf dieser Welt.
Ich bin gezeichnet. Nicht nur mit der Narbe in meiner Visage.

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#7

Vor einigen Monden...
...als es sich begab, dass der Widerstand gegen die Dämonenschwestern im Begriff war Formen anzunehmen und sich ein Teil der mutigen Abenteurer eben dazu auf Burg Winterrache zusammenfand um den Plänen konkrete Gestalt zu geben, da suchten die Elfe Lueith alte Gespenster heim.


Die wolkenverhangenen Berge verweigerten jeden Blick hinab ins Tal und ebenso hüllten die Wolken die Burg ganz und gar ein, sodass Winterrache für die Welt im Nebel verschwunden schien.
In sanften, weichen Flocken legte sich der Schnee, der vom Himmel fiel auf den der vorangegangenen Tage, der bereits den Erdboden gefunden hatte.
Unwirklich, dachte Lueith während ihre Schritte sie leise knirschend den Pfad entlang führten, der außerhalb der Burgmauern verlief. Alles ist so unwirklich. Diese Insel ist einfach so anders. Auch die Leute. Ist das hier eine Illusion, ein Hirngespinst? Irgendeine Droge die mir Xulzyne verabreicht hat? Bin ich gar nicht wirklich hier sondern kämpfe in der Arena von Menzoberranzan zum Vergnügen der Dhaerow gegen Worge, Wyvern und Dämonen?

Der Gedanke, sie könnte sich noch immer in den Fängen dieses Drow befinden, noch immer fremdbestimmt und abhängig von ihm und seinen Launen sein, seinen Täuschungen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert mit Halsband und Kette, an der er riss und zerrte und zog, der sie kontrollierte und überwachte und alles, alles von ihr wollte was man von einem Wesen nur wollen kann – in der Gewissheit es doch nie zu bekommen…
Der Gedanke erfüllte sie mit Grauen, presste ihr die kalte Luft aus der Brust, schnürte den Hals und das Herz und drohte sie in Panik, Angst und Verzweiflung zu ertränken. Sie verließ den Pfad und lief los; dorthin wo sie die Hangseite des Berges und den Abgrund wähnte. Sie wurde schneller.
Ein falscher Schritt hinein in den Nebel und sie würde aus den Wolken fallen – und vielleicht erwachen oder dankbar, sehr dankbar doch vor allem frei sterben.

Ein Schrei. Nein, kein Schrei. Ein Brüllen.
Du gehörst mir!
Furcht.
Der Arm der sie umschlingt engt sie ein, nimmt ihr den Atem, drückt ihr schmerzhaft gegen die Rippen.
Furcht.
Ohnmächtigmachende, lähmende, alles umfassende Furcht.
Zu Hilfe! Warum hilft mir denn niemand? Ich bin allein, ich bin klein, ich bin wehrlos, ich kann mich nicht bewegen, ich bekomme nicht einmal einen Schrei aus meiner verkrampften Kehle. Schmerzhaft reißt er an der Kette.
Lass los!
Wasser. Rauschend, tosend erstickt es alle anderen Geräusche.
Festhalten!
Da ist kein Halt… da ist keiner… da ist keiner…
Furcht.
Sein schwarzer Mantel verdeckt alles. Nur die roten Augen mit einem Blick, kälter als Eis, bösartig verfolgen sie, mit einem wilden Versprechen.

Du gehörst mir, habe ich gesagt. Und dass ich mit dir machen werde, was ich will! Dass niemand mich daran hindern wird! Weder Menschen, Elfen oder Drow, noch Götter, weder Teufel noch Dämonen! Noch ein verdammtes Meer das zwischen uns liegt! Mir gehörst du, Elfenhexe! Ich erwische dich, Lueith. Diesmal werde ich dich töten. Ich lasse dich um dein Leben betteln und dann töte ich dich. DU gehörst mir!

Der in Bröckchen hinabstürzende Schnee vor ihren Stiefeln warnte sie vor, riss sie aus der Panikattacke und ließ ihre Schritte abrupt verharren. Lue stieß einen dumpfen Schrei aus, ruderte mit den Armen und ließ sich nach hinten in den Schnee fallen.
Konzentrieren! Das ist weder Delirium, noch Traum, noch Illusion. Es ist wirklich.
Thal’ia, Laladi, Frau Jocasta, Elboria und die Seldarelle, die Termar Tiris waren es. Der Ausflug in den Silberwald war es auch… und mein Schwert. Das uralte Elfenschwert, das Klagelied das seine Feinde in den Tod verfolgt… wirklich. Sylvar ist wirklich. So gut und liebevoll. Und Sylvars Hände… seine starken und klugen Schmiedhände… alles wirklich.

Mit einer Hand voll Schnee rieb sie sich durchs Gesicht und stieß keuchend, in weißen Wölkchen, ihren Atem in die Luft.
Der Gedanke des sie verfolgenden Xulzyne erfüllte sie noch immer mit Grauen und der Gedanke an einen Kampf gegen ihn schlug ihr mit eiserner Faust der Angst in den Magen.
Sie fürchtete diesen Mann. Nein, sie konnte nicht mit ihm kämpfen. Noch nicht.

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-Lueith Larin Elavin Raernean-
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#8

Vor etlichen Monden…
…als Xulzyne ihr zuvorkam. Und Lue mit Hilfe einer Yathtallar und einer Dämonin zu ihm gebracht werden sollte.
…als einer der Altäre der Dämonenschwestern bereits vernichtet war und die Seele eines Jungen vorerst bewahrt werden konnte, da hatte sich die Elfe Lueith für einige Zehntage in den Silberwald zurückgezogen um Abstand zu suchen von den jüngsten Geschehnissen. Und allem anderen, was sie so sehr verwirrte.


Der Mittag breitete sich mit Hitze und Schwüle über den Wald, und der Spiegel des Sees, bis vor kurzem noch dunkel wie Jadeit, flammte golden auf, funkelte von Reflexen.
Lue musste die Augen mit der Hand abschirmen, die vom Wasser zurückgeworfene Helle blendete.
So dicht konnte der Silberwald nicht sein, dass er die hochstehende Sonne abhielt. Sie schlug sich durch das Ufergestrüpp, krempelte, am Ufer angekommen, die Hosenbeine bis über die Knie und watete in den See. Das Wasser war so klar, dass sie das bunte Mosaik des Grundes sehen konnte, Teichmuscheln und wogende, gefiederte Wasserpflanzen. Sie sah einen kleinen Krebs, der würdevoll zwischen den Steinchen einherschritt.
Lueith seufzte wohlig, beugte sich hinab und wühlte mit den Händen im Nass um sich anschließend mit den Handflächen das Gesicht zu kühlen.
Als sie sich aufrichtete, den Blick über das Ufer gleiten ließ, erstarrte sie. Sie wurde beobachtet. Jedoch nicht auf die freundlich neugierige Art der harmlosen Waldbewohner, sondern lauernd und gierig von acht reglosen Augen. Jene Augen waren zugehörig zu einer menschengroßen monströsen Spinne. Sie war auffällig. Nicht nur, weil sie Lueith vom Ufer her so merkwürdig beobachtete, sondern auch, weil sie sich von den Waldspinnen unterschied. Ein kugelförmiger, hochgewölbter Hinterleib von tiefstem, glänzendem Schwarz war von einer blutroten, sanduhrförmigen Zeichnung geziert.
Dumm. Das war sehr dumm von mir. Mein Schwert liegt am Ufer, weil ich nicht wollte dass es nass wird… Großartig
In der Tat, kleine narbengesichtige Elfe. Das war ein großer Fehler. Xulzyne wird dir für deine Nachlässigkeit dankbar sein.
Es war eine weibliche betörende Stimme in ihrem Kopf, die ungefragt antwortete während die Spinne hämisch die Hinterbeine aneinanderrieb.
Er hat mich gefunden…
Lueith fühlte, wie sie Furcht und Verzweiflung ergriff. Wie ihre Fingernägel sich schmerzhaft in die geballten Fäuste gruben. Sie wich im Wasser zurück in die Richtung, wo ihr Schwert am Ufer liegen musste.
Flucht oder Angriff?
Lueith hob die Arme und spreizte die Finger, skandierte einen Zauberspruch und es flog ein wütender Schauer, kleiner magisch pulsierender Kügelchen auf die Spinne zu – nur um wirkungslos auf ihrer schwarzen Haut in Säureflecken zu zerplatzen.
Das wirkt bei mir nicht. Und es langweilt mich!
Die Spinne war noch immer in ihren Gedanken, wo sie nicht nur sprach sondern auch jeden Gedankenfetzen Lueiths aufsaugte und jeden gefassten Entschluss, jede Bewegung, jeden Versuch im Vornherein ahnte, erkannte und vereitelte.
Es ging sehr schnell. Lue sprang zur Seite und die Spinne krümmte und drehte sich in grotesk schneller Bewegung.
Das klebrige Gewirr an Fäden das aus ihrem Unterleib auf die Elfe zuschoss, überkam sie, wucherte in Windeseile und bedeckte den Waldboden, hüllte ihn ganz und gar ein, begrub alles unter sich und griff raffgierig nach allem darüber. So auch nach Lueiths Beinen.
Lueith brüllte vor Wut und Panik wild auf, als sie im Schwung ihrer eigenen Bewegung über die verfangenen Beine stürzte und der Länge nach zu Boden fiel, wo sie sich im Versuch sich zu befreien nur noch mehr in dem widerwärtigen Spinnennetz verfing. Es war aussichtslos sich loszureißen.
Schau dich um. Siehst du da irgendjemanden, Narbengesicht? Aber keine Angst. So gerne ich dir jetzt ein Ende bereiten würde, noch ist es nicht für dich gekommen… ich bin einem höheren Befehl verpflichtet und dieses schwächliche Männchen, dem meine Herrin so gnädig war zu helfen, ist ganz wild darauf, dass ihm dieses Vergnügen zu Teil wird und niemand anderem. Solange wir nicht bei ihm sind, wirst du also nicht sterben, hörst du?
Ihre Stimme kicherte in Lues Kopf. Sie sah den schwarzen Bauch über sich schwanken, die Beine die sie wie pechschwarze Säulen einpferchten. Erneut schrie sie, als die Spinne sie in ihre grausige Umarmung schloss. Lueiths mentaler Widerstand sich dem magischen Impuls zu verweigern, den die Spinne auf sich selbst und Lueith wirkte, hatte dem mächtigen Zauber nichts entgegenzusetzen.
Die Luft begann zu flirren und für den Bruchteil einer Sekunde gellte ein Knall, ein Lichtblitz durch den Silberwald.
Die Spinne und die Elfe waren verschwunden.
Es regte sich noch leicht das Wasser und fand nach und nach zur Ruhe. Auch der Krebs wagte sich langsam wieder unter dem Stein hervor und setzte seinen Weg fort.
Nichts blieb zurück, was verraten konnte was soeben geschehen war.

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#9

Sie befanden sich in einer gigantischen Höhle.
Es roch nach Wasser. Frischem Wasser. Und Fisch. Es herrschte ein dämmriges Licht, das von den fluoreszierenden Pilzen ausging, die hier überall wuchsen. Ansonsten ließ das Stadtbild wenige Fragen offen. Dicht an dicht reihten sich Häuser und Hütten, Lagerhallen und Schuppen. Alles wirkte irgendwie zusammengeschustert, dennoch ließ so manches Gebäude nicht an Luxus und Gepränge fehlen. Ratten huschten die Rinnsteine entlang. Betrunkene, Prostituierte und unheimliche Gestalten passierten sie. Es war auf seine eigene Art und Weise übel. Nicht wie in Menzoberranzan – aber ähnlich. Das eigentlich unübersehbare Zeichen war ein glühender Schädel der über alledem schwebte.
Xulzyne riss an der Kette, zog sie näher zu sich.
"Willkommen in Schädelhafen" erklärte er mit seinem gespenstischen Lächeln.
Er zerrte sie zu einem großen Gebäude hin. Laternen pendelten vor dem Eingang, aus dem Inneren drang ein Stimmengewirr heraus. In der Tür des Gebäudes standen schon etliche bewaffnete Männer. Zum Großteil mit Knüppeln und Langdolchen ausgerüstet.
Heraus trat ein fülliger Menschenmann. Tethyrer, schätzte Lue. Er trug einen reich verzierten Brokatrock und eine Mütze, die mit schillernden Federn verziert war
"Xulzyne! Welch Freude! Lange ist es her, dass wir uns getroffen haben, mein Freund! Wie laufen die Geschäfte? Ja, sag… was macht das Geschäft?"
"Die Geschäfte laufen. Du weißt ja wie das ist, Filister. So jemanden wie mir geht die Arbeit nie aus. Ich überlege schon mich langsam zur Ruhe zu setzen. Vielleicht noch ein paar Aufträge..."
Der, den er Filister genannt hatte, schaute Lue eine Zeitlang direkt in die Augen. Sie schauderte und verstand sofort, dass hinter der dicklichen, weichen und überfreundlichen Fassade ein Geist von beunruhigender und dunkler Tiefe steckte in dessen Abgrund sie nicht blicken wollte.
"Zur Ruhe setzen? Ich bitte dich… was tätest du denn ohne dein Geschäft? Aber noch bist du ja tüchtig, nicht wahr? Komm herein. Lass uns reden. Bitte sehr."
Im Flur warteten zwei weitere Personen. Eine hochgewachsene Frau mit blondem Haar, hager und mit stechendem Blick und ein Halbelf, relativ jung, zerzauste aschblonde Haare und gräulich dunkle Haut.
"Ach…" Filister drehte sich um. "Reden wir unter sechs Augen. Samara kam ja nicht extra aus Zentilfeste nur um sich das gute Bier hier schmecken zu lassen. Ha! Geben wir das graue Täubchen doch vorübergehend unter Bewachung und dann folgt mir bitte. Herr Beißer!"
Der Halbdrow trat auf sie zu. Xulzyne reichte ihm die Kette. "Aber pass mir nur gut auf sie auf. Wie auf deinen Augapfel."

Buckelroff hielt sich abseits. Freilich wollte er, wie alle anderen auch, das Elfenmädchen ansehen, von dem in letzter Zeit so oft die Rede war. In der Grube war man schon ganz heiß auf ihre Ankunft – entsprechend viele hatten sich jetzt versammelt. Doch er empfand einen enormen Widerwillen dagegen, sich mit den anderen Neugierigen in eine Reihe zu stellen. Die gafften und drängten. Manche versuchten sogar sie anzufassen, zu stoßen und zu kneifen. Nein, darauf hatte Buckelroff keine Lust. Er hatte genug in seinem bisherigen Hin-Leben erlebt um sagen zu können, dass ihn das, was dem Mädchen bevorstand einfach nur abstieß.
Doch er konnte einen Blick auf sie erhaschen. Sie hinkte leicht, schritt jedoch hoch erhobenen Kopfes an Halsband und Kette hinter ihrem Wärter her.
Sie war geschlagen worden. Der Drow hat sie geschlagen aber nicht gebrochen, dachte Buckelroff.
"Das ist also diese Elfe!"
"Pah, die ist ja schmächtig!"
"Schmächtig ja? Eine Schlächterin ist sie. Eine Schlächterin die unter den Drow selbst ihresgleichen gemordet hat!"
"Einen Elfen, fünf Menschen und dutzende Kreaturen soll sie in der Arena von Menzoberranzan erledigt haben. Die Bestie!"
"Was für eine Bestie!"
"Eine Wölfin!"
"Dieses Kind?! Niemals! So einen Müll kannst du jemand anderen erzählen, du Lügner!"
"Wen nennst du hier Lügner?!"
"Nicht anfassen!" rief ihr Wächter. "Hände weg habe ich gesagt! Griffel weg! Betatscht ihr immer fremde Sachen?! Und kein Wort mit ihr gesprochen, klar?!"
Der Halbdrow machte ein grimmiges Gesicht. Buckelroff wusste, dass er unter den Namen 'Beißer' bekannt war. Das war so, weil er sich seine Zähne spitz zufeilen hatte lassen. Vielleicht war es aber auch nur eine besonders aufwändige und gute Illusion. Das Zufeilen hatte aber etwas Martialischeres und wurde deshalb für besser, härter befunden.
"Na wer weiß ob sie heute Abend noch lebt, nach dem Kampf in der Grube, eh? Vielleicht sollten wir ihr den womöglich letzten Tag ihres jungen Lebens noch ein wenig versüßen, hm? Richtig durchvögeln im Heu! Ihr tüchtig besorgen!" rief ein Zwerg mit merkwürdig zweifarbigen Augen.
"Das wär’s! Wie eine Dirne! Hähähä!" ein Menschenbursche von vielleicht 15 Jahren lachte brüllend.
"Nur ohne Bezahlung!"
Grölend hielt sich der Bursche den Bauch.
"Wenn ihr euch traut dann fragt Xulzyne ob ihr dürft. Der reißt euch den Schwanz mitsamt der Eier ab. Mit bloßen Händen."
"Oha! Oha! Wohl eher dir, wenn du nicht richtig auf sein Eigentum aufpasst ,eh?"
"Zieht Leine! Ihr habt doch wirklich weiter nichts im Kopf, Ficker, verdammte. Ihr könnt sie noch früh genug begaffen. Haut ab, sag ich – oder wollt ihr eins mit dem Knüppel?"
"Oha. Na dann eben nicht. Uns ist das doch egal. Kommt Jungs, zum Schober, da braten sie einen Hammel und ein Ferkel. Heute ist ja die Tagundnachtgleiche, ein Feiertag. Gehen wir ein bisschen feiern."
Unter Gemurre und verstohlenem Geschimpfe zerstreute sich nach und nach die schaulustige kleine Menschentraube.
Beißer riss erneut an der Kette und zerrte die grauhaarige Elfe über den Platz. An einem Pfosten, nahe einem Lagerhaus band er sie schließlich an. Die Elfe setzte sich mit stoischem Blick auf den Boden.

Doch Buckelroff war geblieben. Er schaute in den Schatten gedrückt hin zum Lagerhaus, um das es ruhiger geworden war. Beißer lehnte an der Bretterwand und spielte mit einem Dolch, während sein Knüppel neben ihm an der Wand lehnte.
Jetzt oder nie. Der Hin hob die Hand, begann ins Gewebe zu greifen und es nach seinem Willen zu formen, der Blick unverwandt auf den Halbdrow gerichtet. Er spürte in seinem Kopf eine kurze aber heftige Gegenwehr. Buckelroff war es, als knackte es schmerzhaft in seinem Hinterkopf. Beißer war widerstandsfähiger als er erwartet hatte und er versuchte den Zauber, der auf ihn eindrang, von sich zu stoßen. Der Halbling spannte sich an und verharrte, als das widerlich schlüpfrige Gefühl endlich nachließ. Beißer erstarrte ebenfalls – aber unnatürlich, inmitten seiner Bewegung. Er gefror einfach wie zu Stein.
Ein Keuchen der Erleichterung von sich gebend rannte der Halbling los. Die Elfe sprang auf, als sie ihn auf sich zueilen sah und riss an der Kette, verwirrt glitt ihr Blick zu dem gelähmten Halbdrow und zuckte wieder zu ihm, sie knurrte, warf ihm einen bedrohlichen Blick zu.
"Nicht nötig" warnte er sie rasch. "Ich bin auf deiner Seite. Ich will dir helfen! Komm, ich schneide dir die Fesseln durch. Da hast du das Messer, schneide das Halsband selber auf. Und dann komm! Schnell! Wir haben nicht viel Zeit!"
"Wer bist du?"
"Ich bin…"
"Buckelroff! Du Verrä…"
Das Elfenmädchen war wie aus dem Nichts bei dem hinter dem Lagerhaus erschienen Mann und stieß mit dem Messer ohne zu zögern auf ihn ein. Sie rammte ihm die Klinge direkt in die Seite seines Halses und riss sie kraftvoll schneidend wieder heraus. Das Blut strömte ihm reichlich aus der Wunde und er fiel hin, krümmte sich zur Embryonalhaltung zusammen um zu verbluten, um zu sterben.
"Alarm!" schrie plötzlich eine bewaffnete Frau und ließ vor Schreck ihre Hammelrippe fallen, nach ihrem Schwert greifend.
"Alaaaarm! Filister, Samara! Die Elfe flieht!"
Die Frau, die sie Samara nannten und Xulzyne stürzten aus dem Gasthaus jenseits des Platzes. Es erschien auch Filister auf der Schwelle der Tür und schaute verblüfft drein.
"Schnell jetzt!", schrie der Halbling und berührte Lueith am Ellenbogen, nur kurz um gleich darauf in die Gassen loszupreschen.
"Fangt sie!" brüllte Samara aus Zentilfeste. "Fangen oder töten!"
"Lebendig!" schrie Xulzyne, der seine Schwerter bereits in der Hand hatte. "Lebeeendig!"
Aus den Hütten stürzten Bewaffnete. Armbrustbolzen surrten durch die Luft und schlugen gegen Hausmauern oder in Bretterverschlägen ein, als Lueith und Halbling im Zickzack durch die finsteren Gassen flohen. Nach und nach wurden die Rufe leiser, trog der Schein oder hatten sie den Großteil ihrer Verfolger wirklich bald abgehängt? Hinter der nächsten Biegung entdeckte Lue Schiffsmasten emporragen und hörte das leise, friedliche Plätschern von Wasser. Die Hüfte, in die sie Xulzyne kürzlich getreten hatte, stach sie schmerzhaft als sie ein weiteres Mal scharf in eine heruntergekommene Straße einbogen und bald dröhnten ihre Füße über die sich leicht biegende Holzplanken des Piers. Es glitt langsam ein kleiner Schoner über das schwarze Wasser, noch nicht sehr weit von ihnen entfernt. Auf eben dieses Schiff deutete der Halbling jetzt.
"Wir müssen dahin schwimmen. Sie nehmen uns mit. HEY!!" schrie er und es erschienen Gestalten an der Reling. "Was legt ihr ohne uns ab?!"
Xulzyne lief heimlich wie ein Wolf von links heran. Sein Arm umschlang die Elfe von hinten, zog sich um ihre Kehle, sie schrie auf. Buckelroff fluchte lauthals und stürzte sich geradewegs auf Xulzynes Beine, beharkte sie mit seinem Dolch. Das Gerangel wurde verbissen, der Drow drückte Lueith immer fester die Kehle zu, doch schließlich, er konnte den mindestens ebenbürtig hartnäckigen Buckelroff nicht abschütteln, brüllte er schmerzerfüllt und wutentbrannt auf. Lueith entwand sich seinem Griff.
"Spring und schwimm um dein Leben!"
Mit einem Satz war sie im Wasser.
Nun, da sich der Drow ganz auf ihn konzentrierte, hatte der Halbling keine Chance mehr. Mit einem Schlag des Schwertknaufs stieß er Buckelroff von sich weg, versetzte ihm einen schrecklichen Hieb quer über die Brust und macht einen Sprung nach vorne um der Elfe nach zu hechten. Der aufgeschlitzte und Blut überströmte Buckelroff konnte ihn noch bei den Füßen packen und ließ erst los, als ihn ein Schwertstich auf die Planken nagelte. Doch diese wenigen Sekunden Verzögerung genügten.

Damian Buckelroff sah sie noch, wie sie sich an die Planken des Schiffs klammerte. Wie ihr von der Reling zugerufen und ein Seil hinuntergelassen wurde.
Dann konnte er nichts mehr sehen. Nur den schwarzen Schemen, der am Rande des Stegs aufragte, sein schwarzer Mantel verdeckte alles, wilde, bösartige Worte hallten wütend und brüllend gezischt durch die Kaverne und über das Wasser, dem flüchtenden Elfenkind nach.
»Nein«, dachte der sterbende Halbling, »nein, sie gehört dir nicht. Sie gehörte dir nicht. Und wird es nie«.

Damian Buckelroff saß auf den Stufen zur Veranda, während sein Vater Wasyl Buckelroff auf die fremden Reiter zustapfte und schaute neugierig nach. Sie bekamen nicht so oft unerwarteten Besuch hier auf ihrem Hof. Nur ganz selten kamen ein paar Leute vom Wald, mit denen sie Tauschhandel betrieben. Felle, Holz und Wild gegen Früchte des Feldes, Milch, Butter und Eier. Ihre Mutter kam an die Schwelle der Hütte, zusammen mit Ruvena und Yasemina, seine Schwestern. Damian spürte die klebrigen Blicke des kleinen, bewaffneten Trupps und aus anfänglicher, kindlicher Neugier wurde Unwohlsein... wurde Furcht.
»Damian!« rief ihn seine Mutter. Sie klang beunruhigt. »Komm her zu mir.«
Er gehorchte sofort, ließ aber seinen Vater und die Fremden nicht aus den Augen.
»Na mach schon, du Winzling. Her mit den Abgaben. Gib den fürstlichen Truppen Geld - und was zu Fressen wollen wir auch. Wird's bald? Wir haben ja nicht ewig Zeit.«
»Ich habe unsere Abgaben schon bezahlt. Alles, wie es sich gehörte. Warum kommt ihr hier her und fordert schon wieder ein?«
»Ach na hört ihn euch an, den Schlauberger... hat schon bezahlt... und bildet sich ein das wäre alles!«
»Warum sollen wir noch einmal bezahlen und etwas geben? Wir haben den Zehnt bezahlt. Die Militärsteuer. Die Feudalabgaben. Die Landsteuer. Die weiß-der-Kuckuck-Steuer! Warum?« Wasyl Buckelroffs Stimme zitterte leicht, doch noch immer klangen darin Verwunderung und Widerspruch. Die wenigen Siedler von den anderen, dichter liegenden Gehöften waren aufmerksam geworden. Schauten beunruhigt hinter Zäunen und aus Häusern hervor.
»Du fragst warum?« zischte der Sprecher der Reiter, mit einem ausnehmend hässlichen Grinsen im Gesicht. Er beugte sich zu Wasyl herunter, aber Damian konnte jedes seiner hasserfüllten und vor Häme triefenden Worte hören.
»Ich sag dir warum. Darum, dass du ein lausiger Halbling bist, ein widerlicher Winzling. Und wer dich stinkenden Nichtmenschen ausnimmt, der macht den Göttern eine Freude. Wer dich kaltmacht, der tut sogar eine gute Tat. Weil ich was zum Fressen will von dem Land das du bewirtschaftest, auf dem du eh nichts verloren hast, du Dahergelaufener! Und weil es mich juckt, dein Nichtmenschennest hier abzufackeln und noch drei weitere Winzlingsiedlungen vor uns liegen, denen ich einen Besuch abstatten will. Weil wir hier fünf kräftige Kerle sind und ihr bloß eine Handvoll beschissene Knirpse. Hast du jetzt verstanden warum?!«
»Ja ich hab verstanden« antwortete Wasyl langsam und griff blitzschnell nach der Heugabel im Schubkarren vor ihm, er riss die Zinken hoch. »Weil ihr nichtsnutzige Banditen und Schurken seid. Nichts bekommt ihr von hier! Fort, fort mit euch, räuberisches Pack!«
Damian verknotete sich der Magen, die Hand seiner Mutter auf seiner Schulter wurde klammernd wie ein Griff aus Eisen. Er war noch ein Kind und doch wusste er, dass das hier nicht gut enden konnte. Dass gleich Schreckliches geschehen würde.
Der hässliche Reiter fasste nach dem am Sattel hängenden Schwert, seine Mutter schrie auf »Wasyl!«. Doch der Bandit kam nicht dazu, sein Schwert zu ziehen und nach dem Vater zu schlagen. Beinahe lautloses Schwirren vom nahen Waldesrand und ihn ereilte der unsichtbare Tod eines grau gefiederten Pfeils, der ihm durch die Gurgel schlug und ihn röchelnd auf dem durchgehenden Ross zusammensacken ließ. Ein weiterer Pfeil fegte einen der Banditen glatt aus dem Sattel. Die übrigen drei begannen sich hektisch umzusehen, ihre Waffen zu ziehen und orientierungslos suchend umzublicken. Dann sah Damian sie. Sie waren nur zu dritt, wie sie mit wehenden tannengrünen Umhängen heranliefen. Schnell und geschmeidig wie Wölfe, mit blitzenden schlanken Elfenklingen. Etwas versetzt stand noch der Bogenschütze - nein, eine Bogenschützin! - den Bogen noch erhoben und eine Hand bereits wieder am Köcher, anmutig wie die lebendig gewordene Statue einer Waldgöttin.
»Yondalla sei Dank« rief seine Mutter auf. »Die Harfe! Sie kommen uns zu Hilfe...«
Später, als alles vorüber war, konnte er einen Blick erhaschen, auf die Spangen, die ihre drei Retter unter den Umhängen verborgen trugen – sie hatten die Form einer silbernen Harfe, umarmt von einem Halbmond und Sternen. Sein von Bewunderung glänzender Blick fand auch die gleichsam verschmitzt wie gutmütig funkelnden, goldgesprenkelten Augen der Halbelfenschützin.
An diesen überflutenden Glücksmoment der unerwarteten Rettung und Hoffnung, das wusste Damian Buckelroff schon damals, an diesen Moment würde er sich bis zu seinem Lebensende erinnern.
Dass dieser Augenblick der Beginn seiner Bestimmung war, das wusste der junge Halbling damals noch nicht.


Das Wasser verschluckte Lueith beinahe, zog sie mit sich und in sich hinab. In ihren Ohren begann es zu hämmern und zu dröhnen wie in einem Glockenturm. Sie hatte Glück und tauchte mit Schwung auf, spuckend und keuchend. Sie griff in die muschel- und algenbewachsenen Holzbretter des Schiffs.
"Festhalten!"
Rief ihr jemand von oben zu.
"Festhalten Elfenkind!"
Mit riesiger Anstrengung klammerte sie sich an das zugeworfene Seil und wurde aus dem Wasser und an Deck gezogen. Keuchend lag sie da, das Wasser rann plätschernd an ihr herab.
Sie rollte sich zur Seite und schloss schwer atmend die Augen.

Charakter:
-Lueith Larin Elavin Raernean-
~Amathiél Vilkashiat~
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#10

Vor etlichen Monaten…
…als sich Lueith auf einer anderen Ebene wiederfand.
…als die Pläne Xulzynes von denen der Priesterinnen der Spinnenkönigin, der Monddame Sehanine sowie derer Eilistraees unwissentlich, zufällig und glücklicherweise durchkreuzt wurden.


In Lueiths Augen sprühten Funken, worauf sie absolut nichts mehr sah, hörte oder fühlte außer Kälte. Inmitten eines schwarzen Nichts, inmitten von Form- und Zeitlosigkeit war Kälte das einzige, was sie empfand.
Der Bruchteil einer Sekunde ging vorüber und eine fremdartige Welt flammte vor ihren Augen auf.
Sie keuchte vor Entsetzen und zurück auf dem harten Boden der Wirklichkeit befand sich über ihr keine Spinne mehr, sondern Dunkelheit. Unter ihren Füßen polierter, anthrazitfarbener Stein statt des weichen, moosigen Erdbodens des Silberwalds. Ein langer, schwarzer Korridor vor ihr und hinter einem Torbogen erstreckte sich eine gewaltige, scheinbar endlose Höhle. Jenseits des Torbogens erkannte Lue ein felsartiges Gebilde, über und über verstrickt in einem enormen Spinnennetz. Der Mitte dieses Gebilde entsprang ein bedrohlicher Turm violetten Kristalls umgeben von weiteren, kleineren aber ebenso unheilvoller Kristalltürme. Lueith war wie zur Salzsäure erstarrt.
Sie hat mich zurückgebracht. Das ist das Unterreich. Aber nein… das Unterreich. Das hier ist anders. So… anders!
Wilde Gedanken hämmerten auf sie ein, die Furcht dröhnte in ihren Ohren wie das Summen hundert wütender Hornissen. Sie nahm die Stimme zunächst wie aus weiter, weiter Ferne wahr.
"Hier wären wir. Und es tut mir Leid dich enttäuschen zu müssen, doch das ist nicht das Unterreich."
Die berückend schöne Drow, die obendrein nackt war, lächelte bösartig und bedrohlich. Das eigentlich verstörende war aber weder ihre Nacktheit, noch ihr Lächeln – sondern die von der Taille an abwärts sprießende Vielzahl schwarzer und roter Tentakel, die die Beine der Drow umpeitschten.
Mit überheblichem Blick sah sie auf Lueith herab.
"Xulzyne wollte dich sofort haben. Doch er wird sich gedulden müssen und sehen, was von dir übrig bleibt, wenn ich mit dir fertig bin. Das ist der Wunsch der Priesterin. Denn was dieses aufsässige, eingebildete Männchen vergessen hat in seiner Besessenheit und seinem Stolz ist, dass sich die Yathallar niemandes Wunsch beugen, niemandes Interessen unterstellen; nur der Spinnenkönigin selbst. Und sie hat mit dir anderes vor. Du bist hier in ihrem Reich und ich werde dich würdig willkommen heißen. Du bist Zauberin? Dann beginne ich vielleicht am besten damit, dir die Finger und die Zunge zu nehmen. Du wirst so laut schreien, dass dir förmlich die Augäpfel bersten. Und dann lasse ich sie wirklich platzen." Sie kicherte gespenstisch. "Du wirst leiden. Dein Wimmern, dein Weinen wird das höchste Gebet, das finsterste aller Bekenntnisse" einige der Tentakel erzitterten vor Erregung "an unsere Königin sein. Ohja." Auch ihr Lächeln begann nun vor Ergriffenheit zu beben doch ihre Miene nahm plötzlich etwas Sonderbares, Hartes an. Anstatt sich weiter einer Tirade zu ergeben, schrie sie erbost auf, während sie ihre Gesichtszüge kaum mehr unter Kontrolle bekam und Lueith begriff: vor Wut. "Wer wagt es? Nein. Nicht jetzt!"
Und sie brüllte auf. Einen Namen – oder ein Wort, einen Befehl. Lueith verstand es jedenfalls nicht, doch sie gewann die Beherrschung über das die Kehle zusammenpressende Adrenalin und wich gerade noch dem nach ihr schlagenden Tentakel aus. Mit einem Knall und Lichtblitz war das Wesen verschwunden. In der Dunkelheit vibrierte noch immer sein hasserfüllter Schrei. Lueith starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die leere Stelle in der Luft und taumelte zurück, stieß mit dem Rücken gegen die Wände. Spinnweben verfingen sich ihr im Haar und plötzlich schien sich die Geometrie der sie umgebenden Wand zu verändern und zu verformen, so heftig, dass sie nach nur einem Blinzeln eine Gestalt darin zu erkennen glaubte. Zunächst der Abdruck eines schmerzverzerrten Gesichtes, dann krallenartige Hände die sie packen wollte. Jäh sprang sie von der Wand hinfort und hörte auch schon aufgeregte Rufe aus Richtung der Kristalltürme. Lueith schaute sich nicht um in diesem Alptraum. Sie rannte blindlings hinein in die Finsternis des Korridors, unter Bögen hindurch, zwischen Säulen und den wie lebende Statuen nach ihr Greifenden aus den Wänden vorbei. Die Dunkelheit begann wie Rauch zu wogen, ein aufdringliches Flüstern, Seufzer, leise Beschwörungen drangen ihr in die Ohren. Absolutes Chaos, das sie vollkommen verwirrte und verunsicherte. Lueith überkam ein Schwindel, es schien ihr, als befände sie sich im Inneren irgendeines unmöglichen, vielflächigen Körpers, während sie lief und lief, um eine Biegung nach der anderen schlitterte. Vor ihr an der gegenüberliegenden Wand öffnete sich plötzlich lautlos eine riesige Tür. Hinter dieser Türe lag die Helligkeit eines tristen, trüben jedoch freien Himmels. Und der durchdringende Duft von Wald. Tannen, Moos, Erde. Die Elfe hielt inne und ging mit fliegendem Atem langsam auf die Pforte zu.
Durch eine Schneise durch den duftenden, dichten Wald konnte sie einen wunderschönen Garten erkennen und auf einem Hügel von Zinnen und gertenschlanken Türmen ehrwürdig gezähnt, ein Schloss. Jemand in der Nähe spielte auf einer Schalmei oder Flöte eine lustige, hüpfende kleine Melodie.
Sie überlegte nicht lange. Sie wollte nur fort von hier. Fort aus dieser Finsternis, dieser Fremde, diesem Chaos. Diesem Alptraum entkommen. Sie sprach in Gedanken ein kurzes Stoßgebet, auch wenn sie das Gefühl hatte die Seldarine könnten sie hier an diesem Ort ohnehin nicht hören und sie durchschritt das Tor.

Charakter:
-Lueith Larin Elavin Raernean-
~Amathiél Vilkashiat~
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